Druckansicht - Saturday 4. February 2012

Inhalt:

"Ich erwarte Ihre Weisungen"

 

Wortlaut des Briefes des damaligen ukrainischen Parteichefs Nikita Chruschtschow an Stalin über die Liquidierung der "unierten" Kirche

 

Moskau-Wien (KAP) Ein der "Kathpress" übermitteltes Dokument aus dem Geheimarchiv der einstigen KPdSU vom 17. Dezember 1945 bestätigt nun einen lange gehegten Verdacht: Stalin persönlich hat die Liquidierung der "unierten" griechisch-katholischen Kirche in der Westukraine (und der Karpato-Ukraine) befohlen. "Kathpress" dokumentiert den vollständigen Brief an Stalin mitsamt der Archivnotizen im Wortlaut in einer eigenen Übersetzung:


F 17, o125, d 313


Blatt 29


17.12.1945. ZK WKP (b)


dem Genossen STALIN J.W. (Josif Wissarionowitsch)


Als ich in Moskau war, habe ich Sie informiert über die geleistete Arbeit zur Zerstörung der unierten Kirche und den Übertritt der unierten Geistlichkeit in die orthodoxe Kirche. Als Ergebnis der geleisteten Arbeit bildete sich aus der Zahl der unierten Geistlichkeit eine "Initiativgruppe". Diese Gruppe schickte an die Adresse des "Sowjet Narodnych Komissarow" (Sownarkom; bis 1946 beibehaltene Bezeichnung für Ministerrat, Red.) der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik folgende Dokumente:


1) Schreiben an den Sovnarkom über die Lage der griechisch-katholischen Kirche in der Westukraine.


2) Brief der "Initiativgruppe" an die gesamte Geistlichkeit der griechischen-katholischen Kirche. Dieses Dokument werden sie der Geistlichkeit erst dann übermitteln, nachdem wir die Existenz der "Initiativgruppe" gestattet haben werden.


Bei der Überreichung der Dokumente an den Mitarbeiter des NKWD (Volkskommissariat des Inneren) und Referenten für konfessionelle Fragen beim Sownarkom dr Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik, Danilenko, haben sie gebeten, bei positiver Entscheidung der Frage den Brief an den Sownarkom nicht eher zu publizieren, bis sie das zweite Dokument an die gesamte Geistlichkeit nach Diözesen verschickt hätten. Alle Dokumente wurden erstellt von Kirchenleuten, bei der Redigierung dieser Dokumente haben unsere Leute in keiner Weise teilgenommen.


Ich sende Ihnen den Text unserer Antwort. Ich denke, dass man ihrer Bitte entsprechen sollte und ihnen damit die Möglichkeit geben sollte, den Brief an die Geistlichen der griechisch-katholischen Kirche zu versenden und erst danach diese Dokumente in den Zeitungen der Westgebiete zu publizieren. Wir haben in den Zeitungen der Republik "gemischte Kolumnen" für die Bevölkerung der Westgebiete eingeführt, in denen man diese Dokumente veröffentlichen könnte.


Ich erwartet Ihre Weisungen.


Wenn Sie irgendwelche Bemerkungen zum Text der unierten Dokumente haben, so können wir über unseren Repräsentanten diese Anmerkungen (in den Text) einfügen. Bezüglich unserer Antwort an die "Initiativgruppe" sollten sie - wie Sie uns raten - den Text mit meiner Unterschrift versehen versenden oder mit der Unterschrift des Bevollmächtigten für Fragen der russisch-orthodoxen Kirche beim Sownarkom der UdSSR.


N. Chrustschow

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