Druckansicht - Sunday 26. May 2013

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Zollitsch: Papstworte zu Luther werden viel Beachtung finden


Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz: "Dürfen vom Ökumene-Gipfel in Erfurt aber keine Wunder erwarten"

Berlin, 12.09.11 (KAP) Die Spitzenvertreter der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland erhoffen vom bevorstehenden Besuch des Papstes in Deutschland einen Schub für die Ökumene. "Der Papst ist sich dessen bewusst, dass man genau auf das achten wird, was er zu Martin Luther sagen wird", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Montag in einem Interview der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ)" mit Blick auf den Erfurter Ökumene-Gipfel am 23. September.

 

Auch Präses Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ist gespannt auf die Papstworte zu Luther und erwartet ein ökumenisches Signal von Benedikt XVI. Er selbst sehe Luther jedenfalls nicht als den "großen Trenner", nicht als Sprengsatz, der zwischen den Kirchen stehe, erklärte Schneider im WAZ-Gespräch.

 

Zollitsch warnte allerdings vor allzu hohen Erwartungen an das Treffen zwischen dem Papst und den evangelischen Kirchenvertretern. "Wir dürfen auch keine Wunder erwarten", räumte er ein. Er könne sich aber vorstellen, dass der Papst "durch die Art der Begegnung ein weiteres deutliches Zeichen seiner Wertschätzung setzt und so auch einiges in Bewegung kommt, dass er uns ermutigt, geistlich und theologisch den Weg der Ökumene weiter voranzugehen".

 

Schneider kündigte zudem an, dass er Benedikt XVI. auf die Probleme von evangelisch-katholischen Mischehen ansprechen will. Diese Eheleute können nach katholischer Lehre nicht gemeinsam am Abendmahl und der Eucharistie teilnehmen.

 

Papst-Kritikern fehlt Toleranz

 

Die geplanten Proteste gegen den Papst-Besuch sieht Erzbischof Zollitsch eher gelassen. Er respektiere die Haltung der Papst-Kritiker, sagte er, warf ihnen jedoch zugleich mangelnde Toleranz vor: "Warum können die Kritiker nicht einfach sagen: Die Katholiken sollen ihr Oberhaupt begrüßen und wir respektieren das. Da fehlt es mir auch an Toleranz und Verständnis für eine offene Gesellschaft."

 

"Historischer Moment" in Erfurt

 

Fest mit ökumenischen Impulsen durch den Papstbesuch rechnet die Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Die Begegnung von Benedikt XVI. mit Vertretern der evangelischen Kirche am 23. September im Erfurter Augustinerkloster werde ein "historischer Moment", sagte die evangelische Theologin am Montag in Erfurt.

 

Auch der Erfurter katholische Bischof Joachim Wanke erwartet ein "inhaltlich nachhaltiges" Ökumene-Treffen. Benedikt XVI. werde sicher etwas in Bewegung bringen und sich möglicherweise zum Amtsverständnis der Kirchen äußern. Wanke erinnerte an den Deutschlandbesuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1980. Damals hatte der Papst die gegenseitigen Lehrverurteilungen der Kirchen im 16. Jahrhundert angesprochen. Im Anschluss an seine Reise wurde eine Gemeinsame Ökumenische Kommission gegründet, in deren Auftrag ein Arbeitskreis darüber beriet. Das Gremium kam zu dem Ergebnis, dass die damaligen wechselseitigen Verurteilungen die Kirchen heute nicht mehr träfen.

 

Kirche in Deutschland "zu pragmatisch"

 

Der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz und Generalkoordinator der Papstreise, P. Hans Langendörfer, sagte am Montag in einem Interview mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA, Benedikt XVI. werde sich dafür einsetzen, dass Religion nichts ins Private abgedrängt wird. Er werde erinnern, dass Religion einen Beitrag zur Gestaltung der Gesellschaft leisten kann. Bei den Begegnungen mit deutschen Politikern wiederum werde der Papst für "Kontinuität bei den bewährten Staats-Kirche-Beziehungen in Deutschland eintreten" und vermutlich dazu aufrufen, der europäischen Einheit wieder mehr Dynamik zu geben, fügte der Jesuit hinzu.

 

Auf die Frage, wie der Papst die Kirche in Deutschland angesichts des Missbrauchsskandals und des daraufhin eingeleiteten Dialogprozesses einschätze, betonte Langendörfer, Benedikt XVI. erkenne an, "mit welch großer Energie und Hingabe sich viele Katholiken um die Kirche sorgen, gerade in diesen schwierigen Zeiten". Allerdings erscheine ihm die Kirche in Deutschland wohl "bisweilen zu pragmatisch, zu stark fixiert auf Strukturen und zu sehr von der Planbarkeit des kirchlichen Lebens überzeugt". Er vermisse "die nötige Offenheit für geistliche Aufbrüche, für organisches Wachsen".

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