Druckansicht - Saturday 25. October 2014

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Kardinal Kasper: Schwere Einwände gegen Theologen-Memorandum

 

Früherer vatikanischer "Ökumene-Minister": Von inzwischen 228 Theologen erhobenen Forderungen bringen keine Lösung der Kirchenprobleme - Gegen "lähmende Dauerbatte" über Zölibat

 

Frankfurt, 11.02.11 (KAP) Die Zölibatsdebatte darf nach den Worten von Kurienkardinal Walter Kasper "keine lähmende Dauerdiskussion" werden. Auch er habe vor 40 Jahren für eine Überprüfung der verpflichtenden priesterlichen Ehelosigkeit plädiert. Sie habe aber bei drei Weltbischofssynoden längst stattgefunden und zu klaren Ergebnissen geführt, schreibt Kasper in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ; Freitagausgabe) zu dem "Memorandum" katholischer Theologen, in dem eine Reihe von Reformen verlangt werden.

 

Die alten Argumente für eine Abschaffung des Zölibats ließen sich seriöser Weise angesichts dieser Ergebnisse nicht einfach wiederholen, so Kasper. Er wandte sich auch gegen andere Forderungen der 228 Theologen. Denn jene Kirchen, die sich - im Sinne der Forderung dieser Theologen - für Frauenordination und Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare entschieden haben, steckten "gerade deswegen in einer viel tieferen Krise" als die katholische Kirche.

 

Zur Forderung nach einer Priesterweihe bewährter verheirateter Männer ("viri probati"), um dem Priestermangel entgegenzuwirken, schreibt Kasper, diese stehe für einen "hoffnungs- und zukunftslosen und damit falschen Konservativismus": Angesichts des rapiden gesellschaftlichen und demografischen Wandels in Europa könne man nicht erwarten, dass bisherige Pfarrstrukturen mit "viri probati" künstlich am Leben erhalten werden könnten. Allerdings könne die großflächige Zusammenlegung von Pfarreinheiten auch nicht die Lösung sein.

 

Insgesamt habe ihn das Memorandum der Theologen "maßlos enttäuscht", so Kasper, der bis Mitte vergangenen Jahres Präsident des vatikanischen Rates zur Förderung der Einheit der Christen war. Er vermisse darin einen substanziellen Beitrag; von Theologen habe er "mehr erwartet". Kein vernünftiger Mensch bestreite, dass die katholische Kirche "einen Aufbruch bitter nötig hat".

 

Die Forderung nach einer anderen innerkirchlichen Rechtskultur sei sicher richtig. Die gegenwärtige Kirchenkrise sei aber eine Folge der Gotteskrise in der Gesellschaft und nicht in erster Linie auf die Kirchenverfassung zurückzuführen. Die entscheidende Frage sei "die Bezeugung des Glaubens in der Welt von heute". Statt "oberflächlich an der Stellschraube des Zölibats zu drehen", brauche es eine "radikale Erneuerung" dieses Glaubens. 

 

Zulehner gegen "Übertritts"-Empfehlungen

 

Der Wiener Pastoraltheologe em.Prof. Paul Zulehner äußerte unterdessen Kritik an Stimmen, die den Unterzeichnern des Memorandums empfahlen, doch "protestantisch zu werden". Wenn Reformanliegen wie Demokratisierung oder Neuregelung der Ämterfrage mit diesem Ratschlag beantwortet werden, sei dies doppelt "verletzend": zum einen für die "Reform-Katholiken", die in Loyalität ihre eigene Kirche erneuern wollten; zum anderen für die evangelische Kirche, der man mit der Empfehlung "bescheinigt, dass es ihr trotz Reformen nicht gut geht (was sie auch ohne diese Zurufe weiß)".

 

Der katholische deutsche Psychotherapeut und Buchautor Manfred Lütz hatte den Sympathisanten des von Deutschland ausgegangenen Memorandums via "FAZ" den Übertritt zur protestantischen Kirche empfohlen, wo die geforderten Strukturreformen seit langem vollzogen seien.

 

Zulehner distanzierte sich in seinem Kommentar von der Methode, zu der die Theologen mit ihrem Memorandum griffen ("die Zeit des Resolutionismus ist vorbei"), nicht jedoch von den Inhalten. Es gelte jene "Irritationen" zu beseitigen, die sogar Katholiken aus dem Innenbereich der Kirche zu Protestaustritten veranlassen würden. Dennoch, so wichtig eine "Abmilderung" derartiger Identifikationsschwächungen auch sei: Entscheidend für die Zukunft des Glaubens und der Kirche im Land werde sein, ob es den Kirchen - das gelte auch für die evangelischen Kirchen - gelingt, die "Bindungskräfte" bei modernen Zeitgenossen zu stärken, erklärte Zulehner. Wichtig dafür seien "Gotteserfahrungen aus erster Hand" als Teil von "Gottes Volk".

 

Statt zu "moralisieren" müsse eine Kirche Gestalt bekommen, die sich "nicht vor der Moderne fürchtet, sondern diese regelrecht 'umarmt'", wie Papst Benedikt XVI. unlängst im Interview-Buch "Licht der Welt" formuliert habe. Zulehners Fazit: Die Kirche müsse "ihre Tiefe erneuern", dann könne sie in ihren Strukturen flexibel werden. 

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© 1947-2014 by KATHweb: ein elektronischer Informationsdienst der Österreichischen Katholischen
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