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Bischofssynode zur Neuevangelisierung
Vom 7. bis 28. Oktober tagte im Vatikan die bisher größte Weltbischofssynode - Mehr als 400 Synodale berieten über neue Wege zur Evangelisierung - Hintergrundbericht von Johannes Schidelko
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Mit traditionellen Seelsorgemethoden und zugleich mit neuer pastoraler Kreativität will die Kirche eine Neuevangelisierung einleiten. Drei Wochen lang haben 400 Bischöfe und Gastexperten aus aller Welt unter Leitung des Papstes über Möglichkeiten und Wege beraten, die christliche Botschaft mit neuer Dynamik in die Welt zu bringen und tiefer zu verwurzeln. Am Ende intensiver Beratungen steht ein 20-seitiges Schlusspapier mit 58 thesenartigen "Empfehlungen" (Propositiones), aus denen Papst Benedikt XVI. in Zusammenarbeit mit dem Bischofsrat der Synode, dem auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn angehört, voraussichtlich in einem Jahr ein Grundsatzdokument erstellt. Am Ende der Synode steht aber auch der Aufbruch in das "Jahr des Glaubens", mit dem die Kirche 50 Jahre nach Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils den Elan der Urkirche wiederbeleben will.
Es war die größte Weltbischofssynode, die je im Vatikan zusammengetreten ist. Kirchenvertreter aus allen fünf Kontinenten trugen eine schier unübersehbare Fülle von Überlegungen und Vorschlägen zu den verschiedensten Aspekten von Neuevangelisierung zusammen. Es ging dabei nicht nur um irgendwelche neuen Strategien, denn das Evangelium sei schließlich kein Produkt, das neu vermarktet werden müsse, betonten die Synodalen am Ende in einer eigenen "Botschaft an die Welt". Vielmehr wollten sie unter den gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen neue Wege zu Glauben, zu Christus und zur Kirche aufzeigen. Dazu müsse das Evangelium stärker in den Dialog mit den Kulturen, mit Wissenschaften, Technik, Kunst und Medien, aber auch mit den anderen Religionen eintreten, forderten sie.
Kein Platz für Pessismus
Ursprünglich war der Blick der Synode vor allem die christlichen Länder des Westens gerichtet, in denen die Bedeutung von Glaube und Kirche zurückgeht und das das "Licht des Glaubens schwach geworden" ist, wie der Papst bei der Schlussmesse betonte. In den Beratungen wurde rasch deutlich, dass die Evangelisierung eine dringende Aufgabe der gesamten Weltkirche ist. Und dass Neuevangelisierung eine "ständige missionarische Dimension der Kirche" bilden müsse.
Dabei dürfe sich die Kirche nicht von den düsteren Szenarien der aktuellen Entwicklung einschüchtern lassen, lautete eine zentrale Botschaft der Synode. Es gebe keinen Platz für Pessimismus. Auch die Herausforderungen durch Globalisierung oder Säkularisierung, durch Migrationsströme oder neue Armut böten stets auch Chancen und Ansatzpunkte zur Evangelisierung. Insbesondere die deutschsprachigen Synodenteilnehmer versuchten ihren Amtsbrüdern etwas von der Angst vor der vermeintlich bösen Welt zu nehmen. Die mit der Säkularisierung verbundene Freiheit böte auch Chancen für den Glauben. Es gelte mit Mut und Vertrauen, mit Zuversicht und Gelassenheit den Glauben zu leben und zu bezeugen.
Fokus auf Pfarren und Gemeinschaften
Zentraler Ort für die Evangelisierung ist nach Ansicht der Synode die Pfarrgemeinde. Dort allerdings gehörten aber auch die Aktivitäten der vielen kleinen Gruppen und Gemeinschaften mit hinzu. Neben der klassischen Seelsorge seien auch neue Formen der Mission gefragt.
Deutlich äußerte sich die Synode zu den Rahmenbedingungen der Evangelisierung. Kirche und Gläubige müssten von der Politik die Achtung der Menschenrechte einmahnen, vor allem der Religionsfreiheit. Sie müssten Möglichkeiten für die Evangelisierung im Bildungsbereich schaffen und nutzen. Sie sollten die Migration als gegenseitige Bereicherung von Gläubigen unterschiedlicher Traditionen und Kulturen verstehen. Sie müssten in der Welt ihren Dienst für Frieden und Versöhnung leisten, müssten für menschenwürdige Grundbedingungen eintreten. Die katholische Soziallehre sei dafür ein hervorragendes, oft noch unbekanntes Instrument.
"Freude des Glaubens wiederentdecken"
In seiner Predigt beim Abschlussgottesdienst der Synode zog der Papst drei pastorale Linien aus den Synodenberatungen. Die Gemeinden müssten die christlichen Aufnahmesakramente Taufe, Firmung und Eucharistie durch eine geeignete Katechese begleiten. Die klassische Missionsarbeit sei und bleibe Aufgabe der Kirche und aller Gläubigen. Denn viele Menschen hätten noch nie von Jesus und dem Evangelium gehört, aber alle hätten ein Recht darauf - freilich ohne jede Form von Proselytismus, wie das Schluss-Papier betont. Schließlich muss die Kirche sich besonders den lauen Getauften zuwenden, forderte der Papst: "Damit sie Christus erneut begegnen, die Freude des Glaubens wiederentdecken und zur Ausübung der Religion in der Gemeinschaft der Gläubigen zurückkehren."

