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Rund 100 Heilige und Selige stammen aus Österreich

Knapp 20 weitere Seligsprechungsverfahren der katholischen Kirche für (Alt-)Österreicher sind derzeit im Gange

19.01.2012

Wien (KAP) Am 29. Jänner wird Kardinal Angelo Amato, Präfekt der vatikanischen Selig- und Heiligsprechungskongregation, im Wiener Stephansdom Hildegard Burjan, die Gründerin der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", seligsprechen. Sie zählt damit künftig zu jenen rund 100 Katholikinnen und Katholiken aus Österreich, die vom Papst zu Heiligen oder Seligen ernannt worden sind. Zudem sind derzeit knapp 20 weitere Seligsprechungsverfahren der katholischen Kirche für (Alt-)Österreicher im Gange.

So laufen Seligsprechungsprozesse etwa für den Linzer Bischof Franz Joseph Rudigier (1811-1884), den Heiligenkreuzer Abt Karl Braunstorfer (1895-1978), den Initiator der Friedensgebetsbewegung "Rosenkranz-Sühnekreuzzug", P. Petrus Pavlicek (1902-1982), sowie die Ordensgründer Sr. Franziska Lechner (1833-1894) und Abbe Victor Braun (1825-1882). Weitere Verfahren gibt es u.a. für die letzte österreichische Kaiserin und Königin von Ungarn, Zita von Bourbon-Parma (1892-1989), die als "Engel von Auschwitz" bekannte Trinitarierin Angela Autsch (1900-1944), den Missions-Abt Franz Pfanner (1825-1909) und den Sozialethiker Johannes Messner (1891-1984).

"Kathpress" bietet im Folgenden einen Überblick mit Kurz-Porträts zu ausgewählten "österreichischen" Heiligen und Seligen, die in den Pontifikaten von Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. zur "Ehre der Altäre" kamen:

Hildegard Burjan (1883-1933): Am 30. Jänner 1883 als Hildegard Freund im sächsischen Görlitz geboren, trat sie 1909 vom Judentum zum Katholizismus über und zog 1919 als erste weibliche Abgeordnete der christlichsozialen Partei in das österreichische Parlament ein. Burjan setzte sich entschieden für die Gleichberechtigung der Frau und die Bekämpfung von Kinderarbeit und sozialen Missstände ein. Als Ehefrau und Mutter gründete sie die religiöse Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", mit dem Auftrag, soziale Not der Zeit zu lindern. Ihre Seligsprechung erfolgt am 29. Jänner 2012 im Wiener Stephansdom.

Carl Lampert (1894-1944): Der aus Göfis in Vorarlberg stammende Innsbrucker Provikar ist der ranghöchste Priester Österreichs, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Er setzte sich mutig gegen kirchenfeindliche Handlungen von NS-Gauleiter Franz Hofer zur Wehr. Nach seinem Eintreten für den ermordeten Pfarrer Otto Neururer begann für Lampert 1940 ein Martyrium durch die Konzentrationslager Dachau und Sachsenhausen. 1941 wurde er wurde er nach Stettin verbannt, wo ihn ein Gestapo-Spitzel in eine angebliche Spionage-Affäre verwickelte. Am 13. November 1944 wurde der Provikar in Halle an der Saale enthauptet. Lampert wurde am 13. November 2011 in Dornbirn seliggesprochen.

Sr. Maria Berchmana Leidenix (1865-1941): Die aus Enzersdorf an der Fischa stammende Ordensfrau wirkte 58 Jahre lang für ihre "Kongregation der Töchter der göttlichen Liebe" in Bosnien. Zusammen mit vier Mitschwestern wurde sie im Dezember 1941 von serbischen Tschetniks in Pale bei Sarajewo ermordet. Die "Drina-Märtyrerinnen" wurden am 24. September 2011 in Sarajewo seliggesprochen.

Barbara Maix (1818-1873): Die gebürtige Österreicherin gründete 1849 in Rio de Janeiro die Kongregation "Irmas do Imaculada Coracao de Maria". Der Orden widmete sich der Arbeit mit Straßen- und Waisenkindern und dem Kampf gegen die Sklaverei. Die Schwestern setzten sich auch als Pflegerinnen für verwundete Soldaten während des Paraguay-Kriegs von 1864 bis 1870 ein. Seliggesprochen wurde Sr. Maix vor einem Jahr, am 6. November 2010, in Porto Alegre.

Franz Jägerstätter (1907-1943): Der Landwirt aus St. Radegund in Oberösterreich weigerte sich aus Glaubensgründen, für das NS-Regime in den Krieg zu ziehen. Daraufhin wurde er zum Tod verurteilt und am 9. August 1943 in Brandenburg hingerichtet. Er wurde am 26. Oktober 2007 in Linz seliggesprochen.

Karl I. von Österreich (1887-1922): Die Seligsprechung des letzten Habsburger-Monarchen am 3. Oktober 2004 in Rom sorgte für Debatten. Kritiker verwiesen auf den Einsatz von Giftgas durch österreichische Truppen im Ersten Weltkrieg. Angelastet wurde Karl zudem, nach 1918 versucht zu haben, in Ungarn die Monarchie auch mit militärischen Mitteln zu restaurieren. Die Befürworter der Seligsprechung argumentierten, dass der friedliebende Habsburger versuchte, für Österreich einen Separatfrieden ohne Deutschland auszuhandeln, wenn auch ohne Erfolg. Innenpolitisch versuchte sich Karl I. als Reformer, er berief den Reichsrat erstmals seit 1914 wieder ein und verkündete eine Amnestie für politische Verbrechen. Der Vatikan betonte, die Seligsprechung gelte nicht der Habsburgermonarchie, sondern allein der Person Karls und der von ihm gelebten "Heiligkeit eines Christgläubigen".

Ladislaus Batthyany-Strattmann (1870-1931): Der im ungarischen Dunakiliti geborene Arzt gründete 1898 mit eigenen Mitteln das noch heute bestehende Spital im burgenländischen Kittsee, in dem Arme kostenlos behandelt wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg gründete er in Körmend bei Szombathely ein weiteres Krankenhaus. Batthyany-Strattmann starb am 22. Jänner 1931 und liegt in Güssing begraben. Er wurde 2003 seliggesprochen.

Sr. Restituta (Helene) Kafka (1894-1942): Die gebürtige Brünnerin gehörte den "Hartmann-Schwestern" an und war die einzige Ordensfrau im sogenannten "Großdeutschen Reich", die hingerichtet wurde. Ab 1919 war sie als Operationsschwester im Krankenhaus Mödling tätig. Nach 1938 scheute sich Sr. Restituta nicht, ihre Ablehnung des neuen Regimes zu äußern. Am Aschermittwoch, 18. Februar 1942, wurde sie von den Nationalsozialisten wegen "Feindbegünstigung und Vorbereitung zum Hochverrat" verhaftet und am 30. März 1943 im Wiener Landesgericht hingerichtet. Sr. Restituta wurde 1998 während des Papstbesuchs in Österreich von Johannes Paul II. seliggesprochen.

P. Anton Maria Schwartz (1852-1929): Der "Arbeiterapostel von Wien" gründete 1882 gemeinsam mit einigen Gesellen und Meistern einen "Katholischen Lehrlingsverein". Betroffen von der sozialen Not seiner Zeit wollte Schwartz die Arbeiter und Lehrlinge nicht ihrem Schicksal überlassen. Schwartz wurde zum Ordensgründer und Sozialrevolutionär. Gegen Widerstände aus der Kirchenleitung gründete er 1889 mit fünf Brüdern die Kongregation für die christlichen Arbeiter, kurz Kalasantiner. Er wurde 1998 in Wien seliggesprochen.

Jakob (Franz Alexander) Kern (1897-1924): Der gebürtige Wiener war Soldat im Ersten Weltkrieg, rang dabei jedoch stets um die Vereinbarkeit von christlichem Glaube und Dienst mit der Waffe. 1916 wurde Kern schwer verwundet und schwebte monatelang zwischen Leben und Tod. Nach dem Krieg trat er in das Prämonstratenser-Chorherrenstift Geras ein. 1922 wurde er zum Priester geweiht. Am 20. Oktober 1924 starb er an den Folgen der nicht ausgeheilten Kriegsverletzung. Seligsprechung 1998 in Wien.

Otto Neururer (1882-1940): Dem Pfarrer von Götzens wurde das Bemühen um die religiöse Erneuerung seiner Pfarrgemeinde zum Verhängnis, als er einer jungen Frau davon abriet, einen fanatischen SA-Mann zu heiraten. 1938 wurde er verhaftet, in das KZ Dachau eingeliefert und von dort in das KZ Buchenwald überstellt. Weil er einem als "Taufwerber" getarnten Spion Glaubensunterricht erteilte, kam der Märtyrer-Priester in den gefürchteten Todesbunker, wo er am 30. Mai 1940 - mit dem Kopf nach unten hängend - einen qualvollen Tod erlitt. Die Seligsprechung erfolgte 1996.

Jakob Gapp (1897-1943): Überzeugt, dass Christentum und Nationalsozialismus grundsätzlich unvereinbar sind, geriet der Tiroler Marianistenpater ins Visier der Gestapo. Er erhielt Unterrichtsverbot und ging nach Spanien, wo er jedoch weiterhin öffentlich gegen den Nationalsozialismus auftrat. 1942 wurde er über die Grenze ins deutsch besetzte Frankreich gelockt und verhaftet, 1943 wegen Hochverrates zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee enthauptet. Gapp wurde 1996 seliggesprochen.

Joseph Freinademetz (1852-1908): Der Südtiroler Missionar aus dem Orden der "Steyler Missionare" bemühte sich in China um Heranbildung eines einheimischen Klerus. Während des Boxer-Aufstands nahm er die deutsche Staatsbürgerschaft an, da Berlin die Missionare unter seinen militärischen Schutz nahm. Freinademetz war bei den Missionaren und Christen sehr geschätzt und stand auch bei den chinesischen Behörden in hohem Ansehen. Er starb 1908 in Taikia bei Tsining. 1975 wurde er selig-, 2003 heiliggesprochen.

Arnold Janssen (1837-1909): Er gründete 1875 im niederländischen Steyl mit dem "Missionshaus zum heiligen Erzengel Michael" das Mutterhaus der "Steyler Missionare", die zu einem der bedeutendsten Missionsorden der katholischen Kirche werden sollten. Um in Österreich ein weiteres Missionshaus errichten zu können, nahm Janssen die österreichische Staatsbürgerschaft an. Im Herbst 1889 gründete der Neo-Österreicher in Mödling das Missionshaus St. Gabriel, das danach zum zentralen Missionspriesterseminar ausgebaut wurde. Nach seiner Seligsprechung 1975 wurde Janssen 2003 heiliggesprochen.

Daniele Comboni (1831-1881): Der große Afrikamissionar und Gründer des Säkularinstituts der "Comboni Missionare" wurde in Limone sul Garda geboren, das mit der Lombardei damals noch österreichisch war. Er wurde 1996 seliggesprochen, die Heiligsprechung erfolgte 2003.

Ursula (Julia) Ledochowska (1865-1939): Die polnisch-österreichische Ordensgründerin stammte aus Loosdorf bei Melk. Mit 21 Jahren trat sie in das Ursulinenkloster Krakau ein, danach wirkte sie in Russland und Skandinavien. Nach ihrer Rückkehr gründete sie in Polen die Kongregation der "Ursulinen vom Herzen Jesu im Todeskampf" ("graue Ursulinen"), die sich verstärkt um arme Familien und vernachlässigte Kindern kümmerten. Ledochowska wurde 1983 selig- und 2003 heiliggesprochen.

Johann Nepomuk Tschiderer (1777-1860): Der Trienter Bischof wurde 1995 zur Ehre der Altäre erhoben. In Bozen geboren, studierte er u.a. in Innsbruck und war von 1832 bis 1834 Weihbischof für Brixen und Generalvikar für Vorarlberg. Anschließend wurde er zum Fürstbischof von Trient ernannt.

Kaspar Stanggassinger (1871-1899): Im bayerischen Gars am Inn befindet sich das Grab des aus Hallein/Dürrnberg stammenden, 1988 seliggesprochenen Redemptoristenpaters Kaspar Stanggassinger, der zum Patron des Priesterseminars der Erzdiözese Salzburg erwählt wurde. Der jungverstorbene Pater verkörpert mit seinem Leben für viele Menschen eine Ausrichtung, die gerade durch die Bescheidenheit, das Leben so anzunehmen wie es ist, anziehend wirkt.

Marco d'Aviano (1631-1699): Der italienische Kapuziner zog als charismatischer Prediger durch Mitteleuropa, rüttelte Hunderttausende lau gewordene Christen auf und bewirkte zahlreiche Bekehrungen und Heilungen. Als Berater Kaiser Leopolds I. und päpstlicher Legat wirkte er entscheidend an der Befreiung Wiens von der Belagerung durch die Türken 1683 mit. D'Aviano starb am 13. August 1699 im Wiener Kapuzinerkloster. Sein Grab befindet sich in der Kapuzinerkirche. Der Seligsprechung 1912 folgte 2003 die Heiligsprechung.

Klemens Maria Hofbauer (1751-1820): Der in Südmähren geborene Redemptorist gilt als maßgeblicher Erneuerer des kirchlichen Lebens in Wien zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Der gelernte Bäcker schloss sich nach dem Philosophie- und Theologiestudium der damals neuen Ordensgemeinschaft der Redemptoristen in Rom an. Danach wirkte er als Seelsorger in Warschau und flüchtete nach der Klosteraufhebung durch Napoleon im Jahr 1808 nach Wien, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1820 als Seelsorger tätig war. Hofbauer, der in der Wiener Innenstadtkirche Maria am Gestade beigesetzt ist, wurde 1888 selig- und 1909 heiliggesprochen.

 

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