Druckansicht - Thursday 23. May 2013

Inhalt:

Hildegard Burjan ist selig
kathbild.at / Rupprecht

Mit der Verlesung des päpstlichen Seligsprechungsdekretes durch Kardinal Amato ist die Gründerin der Caritas Socialis "zur Ehre der Altäre" erhoben - Papst setzt 12. Juni als Gedenktag fest

29.01.2012

Wien (KAP) Hildegard Burjan, die Gründerin der Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis" (CS), ist seliggesprochen. Bei der Seligsprechungsfeier am Sonntagnachmittag im Wiener Stephansdom verlas der Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen, Kurienkardinal Angelo Amato, das Seligsprechungsdekret des Papstes. Mit Hildegard Burjan hat die katholische Kirche weltweit erstmals eine Parlamentarierin seliggesprochen.

 

Im Seligsprechungsdekret erteilt Benedikt XVI. "die Erlaubnis, dass die ehrwürdige Dienerin Gottes Hildegard Burjan, Ehefrau und Mutter, Gründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, die im öffentlichen Leben auf christliche Weise eifrig danach strebte, dass das Evangelium als Sauerteig der irdischen Gesellschaft wirke, und dass die Würde der Frau, der Wert der Familie, der menschliche Zusammenhalt sowie das Gemeinwohl gefördert werden, künftighin als Selige verehrt" wird. Ihren Gedenktag setzte der Papst auf den 12. Juni, den Tag nach ihrem Todestag, eines jeden Jahres fest.

 

Nach der Verlesung des Dekretes wurde im Altarraum des Stephansdomes ein rund 5,5 mal 4 Meter großes Porträt Hildegard Burjans aufgezogen. Dann wurde eine einfach gehaltene Glasstele mit der Reliquie Hildegard Burjans in einer Prozession zum Altar gebracht und davor abgestellt. Neben einem Knochensplitter der Seligen enthält das Reliquiar auch ihren Ehering sowie jene Caritas-Socialis-Brosche, die bei der Öffnung ihres Sarges 2005 gefunden wurde. An der Prozession nahmen neben Sr. Judith Maria Tappeiner, der Leiterin der Caritas Socialis (CS), u.a. auch einige Kinder aus dem CS-Kindergarten Pramergasse teil.

 

Frau, Politikerin, Gründerin der "Caritas Socialis"

 

Zum Auftakt des Seligsprechungsaktes hatte die Vizepostulatorin des Seligsprechungsverfahrens, Prof. Ingeborg Schödl, die Lebens- und Glaubensgeschichte Hildegard Bujans verlesen. Am 30. Jänner 1883 als Hildegard Freund im sächsischen Görlitz in eine liberale jüdische Familie geboren, studierte sie in Zürich Literatur und Philosophie und in Berlin Sozialwissenschaft. Im Jahr 1907 heiratete sie den gebürtigen Ungarn Alexander Burjan. Nach Heilung von einer schweren Krankheit konvertierte sie zur katholischen Kirche und ließ sich taufen.

 

Burjan setzte sich entschieden für die Gleichberechtigung der Frau, für die Bekämpfung der Kinderarbeit und für die Überwindung sozialer Missstände ein. Viele soziale Rechte für Frauen und Kinder, die heute selbstverständlich sind, gehen auf ihre Initiative zurück. Zu ihren wichtigsten politischen Forderungen zählte schon damals "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" für Frauen.

 

1912 gründete Burjan den "Verband der christlichen Heimarbeiterinnen" und 1918 den Verein "Soziale Hilfe". Als Frauen 1919 erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten, zog Burjan als erste christlich-soziale Abgeordnete in das österreichische Parlament ein. Am 4. Oktober 1919 gründete sie die religiöse Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", mit dem Auftrag, soziale Not der Zeit zu erkennen und zu lindern.

 

Als große Ausnahme in der neueren Ordensgeschichte war Hildegard Burjan zugleich Oberin ihrer Gemeinschaft, Ehefrau (eines der führenden Industriellen seiner Zeit) und Mutter einer Tochter. Zugleich war sie die Beraterin führender Politiker der Ersten Republik, so von Bundeskanzler Prälat Ignaz Seipel.

 

Obwohl sie nur kurze Zeit dem Parlament angehörte, galt sie schon bald als dessen "Gewissen". Die tief religiöse Hildegard Burjan stellte sich dem Elend großer gesellschaftlicher Schichten und verschloss vor Jugendkriminalität, Verwahrlosung und Prostitution nie die Augen. Dadurch erwarb sie sich auch den Respekt sozialdemokratischer Politiker.

 

Als im Jahr 1920 Neuwahlen anstanden, zog sich Burjan aus Rücksicht auf ihre stark angeschlagene Gesundheit und wegen der zunehmenden antisemitischen Strömungen auch innerhalb ihrer Partei aus dem Parlament zurück, blieb aber weiter politisch aktiv. Hildegard Burjan starb am 11. Juni 1933 an einem schweren Nierenleiden.

 

Hohe Repräsentanten aus Kirche und Politik

 

An der von Kurienkardinal Angelo Amato geleiteten Seligsprechungsfeier nahm Österreichs Episkopat fast vollzählig teil: Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof Alois Kothgasser, die Bischöfe Egon Kapellari, Klaus Küng, Alois Schwarz, Manfred Scheuer, Ägidius Zsifkovics, Ludwig Schwarz und Christian Werner, die Weihbischöfe Helmut Krätzl, Franz Scharl, Stephan Turnovszky, Anton Leichtfried und Andreas Laun, Diözesanadministrator Benno Elbs sowie die Altbischöfe Maximilian Aichern und Paul Iby.

 

Aus Burjans deutscher Heimatstadt Görlitz nahm eine große Abordnung mit Bischof Wolfgang Ipolt und Altbischof Rudolf Müller an der Spitze teil, ebenso der Apostolische Nuntius in Wien, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen. An der Spitze zahlreicher Ordensvertreter kamen Prälat Maximilian Fürnsinn, Vorsitzender der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften, und Sr. Kunigunde Fürst, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden.

 

Von politischer Seite waren Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, der zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer, Vizekanzler Michael Spindelegger, Finanzministerin Maria Fekter, Klubobmann Karlheinz Kopf und Volksanwältin Terezija Stoisits zugegen.

 

"Eine starke und mutige Frau"

 

Zur Gabenbereitung brachten Vertreterinnen der Caritas Socialis zwei besondere symbolische Gegenstände zum Altar: eine Kleinkindwaage, auf der Kinder in der Kinderpastoral in Brasilien gewogen werden, und einen Hebegurt aus dem Wiener CS Hospiz Rennweg, mit dem Patienten in die Badewanne gehoben werden. "Waage und Gurt sind Zeichen für Gehalten sein und Lebensqualität am Beginn und am Ende des Lebens", hieß es zu dieser Geste.

 

In Brasilien engagieren sich die Schwestern der Caritas Socialis seit langem dafür, Menschen zur Selbsthilfe zu befähigen. In der Favela in Xarquinho organisieren sie in einem Raum der Gemeinde Alphabethisierungskurse und leisten Familiensozialarbeit. Die Kollekte des Seligsprechungsgottesdienstes wird zur Hälfte für diese Initiative der Caritas Socialis in Brasilien verwendet.

 

Die Fürbitten wurden von Personen gesprochen, die die verschiedenen Lebens- und Wirkenskreise der neuen Seligen widerspiegelten, unter ihnen Joachim Paulick, Oberbürgermeister von Görlitz, der Geburtsstadt Burjans, Maria Hampel-Fuchs, frühere Wiener Landtagspräsidentin, eine Ärztin des CS Hospizes am Rennweg und Veronika Prüller-Jagenteufel, Wiener Pastoralamtsleiterin.

 

Kardinal Amato bezeichnete am Ende Gottesdienstes die Heiligen und Seligen als "den wahren Schatz der Kirche in Österreich". Benedikt XVI. habe Österreich innerhalb kurzer Zeit zwei neue Selige gegeben: den von den Nationalsozialisten hingerichteten Märtyrerpriester Provikar Carl Lampert (1894-1944), der im November in Dornbirn seliggesprochen wurde, und eben Hildegard Burjan. Sie sei eine "starke und mutige Frau" gewesen, deren Erbe von der Caritas Socialis fortgeführt werde.

 

Nach dem Gottesdienst wurde die Pummerin, die größte Glocke Österreichs im Stephansdom, geläutet.

 

Erster Gedenkgottesdienst am Montag

 

Am Montag, 30. Jänner, folgt um 18.30 Uhr die erste feierliche Eucharistiefeier zu Ehren der Seligen. Geleitet wird sie von Kardinal Schönborn in der Servitenkirche der Pfarre Rossau (Servitengasse 9, 1090 Wien). Die Predigt wird der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl halten. Anschließend werden die Reliquien Hildegard Burjans in die nach ihr benannte Kapelle in den Räumen der Caritas Socialis (Pramergasse 9, 1090 Wien) übertragen.

 

 

Seligsprechung von Hildegard Burjan am 29. Jänner 2012 im Wiener Stephansdom

29.01.2012

Im Download-Paket: O-Töne von Kardinal Schönborn (Predigt) und Kardinal Amato (Verlesung des päpstlichen Seligsprechungsdekrets)

Teilen |

Zusatzinhalt:

unknown
unknown
unknown
unknown

Themenpaket Pfingsten

Meldungen, Wissenswertes und Hintergründe rund um das Pfingstfest


Neuer Bischof in Feldkirch

Bisheriger Diözesanadministrator Benno Elbs zum neuen Bischof in Feldkirch ernannt


Themenpaket "Kirchenprivilegien"

Antworten, Meldungen und Hintergründe rund um das"Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien"

Benno Elbs wird neuer Bischof der Diözese Feldkirch

» mehr

© 1947-2013 by KATHweb: ein elektronischer Informationsdienst der Österreichischen Katholischen
Presseagentur KATHPRESS. Alle Rechte vorbehalten.
© 1947-2013 by KATHweb: ein elektronischer Informationsdienst der Österreichischen Katholischen
Presseagentur KATHPRESS. Alle Rechte vorbehalten.