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Brüssel-Wien, 28.10.12 (KAP) Mit einer Sonderausstellung über Leben und Wirken der seligen Hildegard Burjan im EU-Parlament in Brüssel sollen die Europapolitiker vom Geist der Politikerin und Ordensgründerin inspiriert werden. Die Ausstellung wird am 8. November unter dem Beisein der österreichischen Bischöfe, die ihre Herbstvollversammlung in Brüssel abhalten, eröffnet werden.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Einsatz Burjans für mehr soziale Gerechtigkeit über alle Parteigrenzen hinweg, wie Sr. Karin Weiler von der Caritas Socialis im "Kathpress"-Gespräch erläutert. Weniger Parteipolitik und mehr gemeinsamer Einsatz für die Sache wäre auch heute ein Gebot der Stunde, nicht nur im EU-Parlament, so Weiler.
Viele Sozialprobleme, die zur Zeit Burjans drängend waren, würden in der einen oder anderen Form auch heute noch einer neuen Lösung bedürfen, ergänzte Diakon Michael Kuhn, Leiter des Büros der Österreichischen Bischofskonferenz in Brüssel.
Die Ausstellung im EU-Parlament ist ab 8. November für eine Woche zu sehen und ist laut Weiler ein Mosaikstein in den Bemühungen der Caritas Socialis, Hildegard Burjan nach der Seligsprechung im vergangenen Jänner einer immer größer werdenden Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Burjan-Reliquie an Benedikt XVI.
Erst vor wenigen Tagen war eine Delegation der Caritas Socialis nach Rom gereist. Dabei konnte die CS-Leiterin Sr. Judith Tappeiner an Papst Benedikt XVI. eine Reliquie der Seligen übergeben. Der Rektor der deutschsprachigen Pfarre Santa Maria dell´ Anima, Franz Xaver Brandmayr, lud zu einer Messe zu Ehren der neuen Seligen, die der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics mit der Gemeinde feierte. Im Anschluss fand ein Symposium über Hildegard Burjan statt, wobei u.a. Prof. Gisbert Greshake einen Vortrag über die Vorreiterrolle Hildegard Burjans für Kirche und Gesellschaft. An dem Symposion nahmen auch einige Bischöfe teil, die sich gerade im Rahmen der vatikanischen Bischofssynode in Rom aufhielten. Mit nach Rom war auch die Postulatorin des Seligsprechungsprozesses, die Publizistin Ingeborg Schödl, gekommen.
Große Gestalte der christlichen Frauenbewegung
Hildegard Burjan war eine der großen Gestalten der christlichen Frauenbewegung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am 30. Jänner 1883 als Hildegard Freund im sächsischen Görlitz in eine liberale jüdische Familie geboren, studierte sie in Zürich Literatur und Philosophie und in Berlin Sozialwissenschaft. Im Jahr 1907 heiratete sie den gebürtigen Ungarn Alexander Burjan. Nach Heilung von einer schweren Krankheit konvertierte sie zur katholischen Kirche.
Burjan setzte sich entschieden für die Gleichberechtigung der Frau, für die Bekämpfung der Kinderarbeit und für die Überwindung sozialer Missstände ein. Viele soziale Rechte für Frauen und Kinder, die heute selbstverständlich sind, gehen auf ihre Initiative zurück. Zu ihren wichtigsten politischen Forderungen zählte schon damals "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" für Frauen.
1912 gründete Burjan den "Verband der christlichen Heimarbeiterinnen" und 1918 den Verein "Soziale Hilfe". Als Frauen 1919 erstmals das aktive und passive Wahlrecht ausüben konnten, zog Burjan als erste christlich-soziale Abgeordnete in das österreichische Parlament ein. Am 4. Oktober 1919 gründete sie die religiöse Schwesterngemeinschaft "Caritas Socialis", mit dem Auftrag, soziale Not der Zeit zu erkennen und zu lindern.
Hildegard Burjan starb am 11. Juni 1933 an einem schweren Nierenleiden. Am 6. Juni 1963 wurde das Seligsprechungsverfahren eingeleitet. Am 29. Jänner 2012 wurde sie schließlich in Wien selig gesprochen. Ihr Gedenktag ist der 12. Juni. Im Jänner 2013 wird das Seligsprechungsjahr mit einem feierlichen Gottesdienst mit Kardinal Christoph Schönborn zu Ende gehen.
