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Wien-Linz (KAP) Die katholische Kirche in Österreich setzt verstärkt auf Präsenz in den neuen sozialen Netzwerken - kurz: im "Web 2.0". Überwog bis vor kurzem noch die Skepsis etwa von Seiten der diözesanen Kommunikationsverantwortlichen, so ist die Skepsis einem regen Engagement bei der direkten, webbasierten Kommunikation gewichen. Facebook & Co. werden zunehmend als Chance und als "neues Feld des Laienapostolats, des Zeugnisses und der Neuevangelisierung" begriffen, unterstreicht etwa der Medienreferent der österreichischen Bischofskonferenz, Paul Wuthe.
Ein schillerndes Beispiel für diese neue Form der Kommunikation ist etwa die Diözese Linz, wo mit Andrea Mayer-Edoloeyi der erste kirchliche Posten einer "Social Media Managerin" besetzt wurde. Neben der diözesanen Website gibt es eine Vielzahl von Blogs, Facebook-Profilen und Twitter-Kanälen, die gerade nicht von der Diözese sozusagen "von oben" gefüttert werden, sondern in denen Mitarbeiter und engagierte Laien persönlich ihr Christsein im Web bezeugen.
Offiziöse diözesane Kanäle - sei es die Website oder ein Youtube- und Twitter-Kanal - seien wichtig, aber nur ein Element einer umfassenden personalen Kommunikationsstrategie, weiß Mayer-Edoloeyi zu berichten. "Viel wichtiger ist, was engagierte Christen alltäglich in ihrem erweiterten Beziehungsnetzwerk online kommunizieren". Gerade dort sei heute der Ort, wo - so Mayer-Edoloeyi - es "wirklich möglich ist, die 'Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute' im digitalen Raum medienadäquat wahrzunehmen".
Entsprechend blicken auch andere Diözesen interessiert nach Linz und entwickeln eigene Web 2.0-Strategien. Denn von Pfarren bis zu kirchlichen Organisationen oder Mitarbeitern schießen die Facebook-Profile gegenwärtig wie Pilze aus dem Boden. Noch fehlt es vielerorts an einem koordinierten Vorgehen. In Wien etwa entwickelt die Erzdiözese derzeit ein Medienkonzept unter Federführung des neuen Kommunikationschefs Michael Prüller. Die unlängst in Heiligenkreuz unter Beteiligung der Erzdiözese durchgeführte Tagung "Gott im Web" sollte da einer weiteren Orientierung dienen.
Webplattformen ermutigen zum Mitmachen
Dabei lohnt auch für die Entwicklung neuer Strategien im "Social Web" der Blick nach Linz. So plädiert Mayer-Edoloeyi etwa in einem Beitrag auf der Plattform www.kirche20.at, auf der Blogs und Informationen über Kirche und Web 2.0 zusammengeführt werden, dafür, Kirche im "Social Web" als "Inkulturationsprozess" zu begreifen. Kirche sei immer auch Lernende in den neuen sozialen Netzwerken und müsse erst langsam begreifen, dass das "alte Sender-Empfänger-Modell nicht mehr gilt".
Die Plattform www.kirche20.at gibt daher Tipps für kirchliche Web-Strategien. Dazu gehöre neben einem "am Geschmack postmoderner Milieus" orientierten Design eine technische Optimierung für Smartphones und Tablet-PCs, aber auch Tipps zur Lizenzierung von Inhalten unter "Creative-Commons-Lizenz", d.h. zur rechtlich einwandfreien Weiterverwertbarkeit von Inhalten und Bildern.
Christliche Blogger können sich auf der überarbeiteten Plattform www.thematisch.at vernetzen. Gegenwärtig wird das Angebot bereits von 21 Bloggern genutzt und auf der Plattform somit "die Vielfalt dessen, was 'katholisch' ist" abgebildet, so die auch für dieses Projekt gemeinsam mit der Katholischen Aktion Oberösterreich verantwortliche Andrea Mayer-Edoloeyi.
Diözese Linz schreitet weiter voran
Für die engagierte Web-Aktivistin bedeuten die bereits umgesetzten erfolgreichen Projekte jedoch nicht, nun die Hände in den Schoß zu legen: so steht im kommenden Jahr der Relaunch der diözesanen Website www.dioezese-linz.at an - selbstverständlich komplett für Web 2.0-Elemente durchlässig, wie Mayer-Edoloeyi betont. Außerdem gebe es ein aktuelles "Geocaching-Projekt" ("Kirchliche Schatzsuche") und man arbeite an der Verbesserung der technischen Infrastruktur: Gerade bei den mobilen Internetzugängen (WLAN), die zu einem "zeitgemäßen Arbeitsmittel" zählten, gebe es noch "Aufholbedarf".
Am wichtigsten ist Mayer-Edoloeyi allerdings, dass Kirche im "Social Web" immer ein "Lernprozess" bleibt, "auf den sich alle beteiligten Personen, aber auch die Kirche als Institution" einlassen muss.
Im Übrigen versucht auch die "Kathpress" mit den neuen Entwicklungen Schritt zu halten und ihre Angebote auf möglichst vielen Wegen zu kommunizieren: so kann man dem aktuellen Meldungsfluss etwa auf einem eigenen Twitter-Kanal (www.twitter.com/kathpress_wien) folgen - und eine eigene kostenlose "Kathpress"-App ermöglicht den komfortablen mobilen Zugang zur katholischen Informations-Welt (www.kathpress.at/mobil).
