Druckansicht - Saturday 18. May 2013

Inhalt:

Was bedeutet "Auferstehung von den Toten"?

Eine kurze Erkundungsreise an die biblischen Quellen des Auferstehungsglaubens

27.03.2012

Wien (KAP) Ostern ist das Fest der Auferstehung Jesu von den Toten. Doch was meint diese Glaubensformel eigentlich? Was sind ihre biblischen und ideengeschichtlichen Quellen? Der Befund, den etwa der Würzburger Bibelwissenschaftler Karlheins Müller ausstellt, ist ernüchternd: Die biblische Quellenlage ist denkbar dünn und hat so einer theologiegeschichtlichen Verklärung des Auferstehungsglaubens Tür und Tor geöffnet. Will man den Glauben der ersten Christen an die Auferstehung verstehen, muss man jene dramatische Zeit begreifen, in der dieser Glaube artikuliert wurde: die "frühjüdische Apokalyptik", so Müller in seinem mittlerweile zum "Klassiker" avancierten Vortrag "Die Rede von Jesu Auferstehung".

 

Zum biblischen Textbefund stellt Müller darin fest: "Was die Ostererzählungen angeht, so ist kein wissenschaftlich vernünftiger Zweifel daran möglich, dass sie ohne Ausnahme sekundäre Bildungen späterer urchristlicher Gemeinden sind, mit denen diese nachösterliche Ziele verfolgen und solche Absichten in der damals geläufigen literarischen Manier der Erzählung zum Ausdruck bringen." Diese Nachgeschichten und Berichte etwa von Erscheinungen des Auferstandenen hätten bereits den Charakter von Antworten auf Fragen und Probleme, die in den ersten christlichen Gemeinden und der jungen Kirche aufgetreten waren. Damit jedoch, so der nüchterne Befund des Bibelwissenschaftlers, scheiden die Evangelien als Quellen für eine ideengeschichtliche Verortung des Auferstehungsglaubens aus.

 

Neben den Erzählungen taucht aber auch immer wieder eine besondere Formel in den biblischen Texten - vor allem in den paulinischen Briefen und in der Apostelgeschichte - von der Auferstehung auf. Diese lautet: "Gott, der Jesus aus den Toten erweckt hat" bzw. "Gott hat Jesus aus den Toten erweckt". Die geringen Abweichungen vom Wortlaut der Formel weisen darauf hin, dass es sich dabei laut Müller "um die älteste selbstständig geprägte Formel des Urchristentums handelt".

 

Als zeitgeschichtlicher Motor dieser Auferstehungshoffnung macht Müller die drängende Naherwartung aus, d.h. die Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Christi. Paulus selbst lebte in dieser Hoffnung, d.h. er ging davon aus, noch selbst das Ende der Zeit zu erleben. "Erst in der zweiten Generation neutestamentlicher Schriftsteller - durch Markus, Matthäus, Lukas, Johannes, durch die Verfasser der deuteropaulinischen Briefe und des Hebräerbriefes - gelingt es mit Mühe, diese Naherwartung einigermaßen unter Kontrolle zu bringen", so Müller.

 

"Hoffnung mit unklaren Konturen"

 

Die Quellen dieser glühenden Naherwartung - und damit die verborgenen Quellen auch des Auferstehungsglaubens - findet Müller in der frühjüdischen Apokalyptik: eine theologische Tradition, deren Ursprung auf die Zeit um 170 v. Chr. und damit auf eine Zeit gewaltvoller Auseinandersetzungen im alten Israel zurückgeht. Die textlichen Zeugnisse dazu findet man noch heute im biblischen Textkorpus - etwa in den Makkabäerbüchern oder im Buch Daniel. Gerade die Makkabäerbücher zeichnen das Bild einer zutiefst verunsicherten jüdischen Gesellschaft. Das Judentum, so Müller, stand in dieser Zeit "wie nie zuvor auf dem Spiel". In dieser Zeit kam erstmals die Vorstellung einer Erweckung von den Toten auf - eine Hoffnung allerdings "mit unklaren Konturen".

 

Das Buch Daniel, dass sich ebenfalls mit dem damaligen Konflikt und den Versuchen einer Anpassung des Judentums an den Herrscherkult befasst, zeichnet ein noch düstereres Bild: das Bild einer Gesellschaft, in der der Glaube an die rettende Kraft Gottes zutiefst erschüttert war. Selbst die Erinnerung an die glorreiche Vergangenheit des Volkes Israel mit seinem Gott konnte über die Krise hinwegtäuschen. Es ist diese Krise aber zugleich im Buch Daniel der Beginn einer "ganz neuartigen Theologie mit einer ebenso neuartigen Vorstellung von der Erlösung": Erlösung werde nun nämlich bei Daniel zu einer Hoffnung auf ein bloßes "Ende" der Zeit hin fokussiert. Gottes Heilshandeln besteht demnach im Buch Daniel in der Beendigung der Zeit.

 

"Ende aller Tage" statt "neuer Landnahme"

 

Mit den Makkabäerbüchern und dem Buch Daniel begann sich demnach in jenem Judentum, das auch noch den Boden und Erfahrungshorizont Jesu prägte, ein "neuartiges Modell der Erlösung abzuzeichnen": Die Hoffnung auf eine neue Landnahme, wie sie bis dahin die jüdische Heilsvorstellung bestimmte, wich der eschatologischen Hoffnung auf ein "Ende aller Tage". Es war laut Müller diese theologische Novität der frühjüdischen Apokalyptik, die "die Aussage, dass 'Gott Jesus aus den Toten erweckte', überhaupt ermöglichte", da sie es erlaubte, "das Geschick des Gekreuzigten mit der Erwartung und dem Eintreffen der Endzeit zu verklammern."

 

Vor diesem Hintergrund kann die Rede von der Auferstehung Jesu von den Toten jedoch nicht mehr als Ausdruck einer Kontinuität zwischen Tod und Leben verstanden werden - auch nicht als Ausdruck eines Sieges über den Tod, so Müller. Wenn wir uns auf die paulinische, von apokalyptischen Elementen durchzogenen Lesart der Auferstehung verlassen, könne es "eigentlich keine andere Kontinuität geben als die das Stadium der völligen Vernichtung des Menschen in Tod und Verwesung durchtragende und überdauernde Erinnerung Gottes". Dies sei letztlich alles, was er daher "als Extrakt und Resultat" anbieten könne: "dieses Vertrauen in die Erinnerung Gottes an unsere Geschichte und die Zuversicht, dass Gott diese unsere Geschichte im Akt einer Neuschöpfung ebenso zu ihrem 'Ende' bringen wird wie die Geschichte des Jesus von Nazareth. Mehr ist es nicht, aber auch nicht weniger - eine Hoffnung mit nach wie vor unklaren Konturen!"

 

 

 

 

Teilen |

Zusatzinhalt:

unknown
unknown
unknown
unknown

Themenpaket Pfingsten

Meldungen, Wissenswertes und Hintergründe rund um das Pfingstfest


Neuer Bischof in Feldkirch

Bisheriger Diözesanadministrator Benno Elbs zum neuen Bischof in Feldkirch ernannt


Themenpaket "Kirchenprivilegien"

Antworten, Meldungen und Hintergründe rund um das"Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien"

Benno Elbs wird neuer Bischof der Diözese Feldkirch

» mehr

© 1947-2013 by KATHweb: ein elektronischer Informationsdienst der Österreichischen Katholischen
Presseagentur KATHPRESS. Alle Rechte vorbehalten.
© 1947-2013 by KATHweb: ein elektronischer Informationsdienst der Österreichischen Katholischen
Presseagentur KATHPRESS. Alle Rechte vorbehalten.