Druckansicht - Wednesday 22. May 2013

Inhalt:

Ostern aus der Perspektive des päpstlichen Jesus-Buches

In dem vor knapp einem Jahr erschienenen zweiten Band seines Jesus-Werkes steht die Zeitspanne "vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung" im Mittelpunkt

28.03.2012

Wien (KAP) Jede historische und theologische Annäherung an die Person Jesu Christi kommt nicht umhin, sich mit dem Kern des neutestamentlichen Zeugnisses - dem Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu - zu befassen. Prominent hat dies zuletzt kein geringerer als Papst Benedikt XVI. in seinem vor knapp einem Jahr erschienen zweiten Band seines Werkes "Jesus von Nazareth" unternommen. Es befasst sich mit genau jener Zeit, die nun im kirchlichen Jahreskreis wieder gefeiert wird: "Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung". Und auch hier gilt wieder Benedikts Credo: der in den Evangelien bezeugte Jesus ist der historische Jesus. Verweise auf eine kritische Textgeschichte, gar auf nachösterliche theologische Einfügungen - sie lenken für Benedikt XVI. nur vom Kern des Christusbekenntnisses ab.

 

Für ein gewisses Aufsehen unter Theologen sorgten die Ausführungen des Papstes insbesondere zum Prozess Jesu, zur Erzählung vom "leeren Grab" und zur Bitte um die Wiederkunft Christi. So erteilt Benedikt XVI. in seinem Kapitel zum Prozess gegen Jesus gleich allen "klassischen" antijudaistischen Behauptungen eine Abfuhr, denen zufolge die Juden eine kollektive Schuld am Tod Jesu tragen. Dagegen stellt er in dem Buch heraus, dass die Forderung nach der Hinrichtung Jesu nur von Teilen der damaligen Tempelaristokratie sowie von Anhängern des Widerstandskämpfers Barabbas erhoben worden sei. Auf keinen Fall hätten die entsprechenden Äußerungen der Evangelien einen "rassistischen" Charakter.

 

Wörtlich heißt es: "Als wahrscheinlich darf heute wohl gelten, dass es sich bei der Verhandlung gegen Jesus vor dem Hohen Rat nicht um einen eigentlichen Prozess, sondern um ein eingehendes Verhör handelte." Es habe mit dem Beschluss geendet, Jesus dem römischen Statthalter zur Verurteilung zu übergeben. Die "echte Gruppe der Ankläger" seien "zeitgenössische Tempelkreise" sowie die Anhänger des Barabbas gewesen, schreibt Benedikt XVI., "aber nicht das jüdische Volk als solches".

 

Für Diskussionen hat immer wieder auch die österliche Erzählung vom "leeren Grab" gesorgt. Die Frage, ob das Grab wirklich leer war, ist für den Papst nicht "unerheblich", denn: "Natürlich kann das leere Grab als solches kein Beweis für die Auferstehung sein. (...) Aber es gibt die umgekehrte Frage: Ist die Auferstehung mit dem Verbleiben des Leichnams im Grab vereinbar? Kann Jesus auferstanden sein, wenn er im Grab liegt? Welche Auferstehung ist das dann?"

 

Schließlich versucht Joseph Ratzinger gegen Ende seines Buches das "Wesen der Auferstehung Jesu und ihre geschichtliche Bedeutung" zu erschließen. Er geht dabei von den biblischen Erzählungen über die "Begegnungen mit dem auferstandenen Herrn" aus und kommt zu ersten Differenzierungen: "Jesus ist kein ins allgemein biologische Leben Zurückgekehrter, der nach den Gesetzen der Biologie eines Tages wieder sterben müsste. Jesus ist kein Gespenst ('Geist'). Das bedeutet: Er ist nicht jemand, der eigentlich der Totenwelt angehört, aber irgendwie sich in der Lebenswelt zeigen kann." Nach den Worten des Papstes ist die Auferstehung "ein Ereignis in der Geschichte, das doch den Raum der Geschichte sprengt und über sie hinausreicht".

 

"Was ist Wahrheit?"

 

Aber Benedikt XVI. wäre nicht Joseph Ratzinger, wenn er seine biblischen Erwägungen nicht auch mit philosophischen Überlegungen unterlegen würde. So nimmt er etwa den Dialog zwischen Jesus und Pilatus im Johannesevangelium zum Anlass, kritische Anmerkungen zum heute seines Erachtens oftmals verkürzten Wahrheitsverständnis zu machen. Auf die Aussage Jesu "Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege" stellt Pilatus die rhetorische Frage der Skeptiker: "Was ist Wahrheit?" Der Papst schreibt dazu: "Was ist Wahrheit? Diese Frage hat nicht nur Pilatus als unlösbar und für seine Aufgabe unpraktikabel beiseitegeschoben. Sie wird auch heute im politischen Disput wie im Disput um die Gestaltung des Rechts meist als störend empfunden. Aber ohne Wahrheit lebt der Mensch an sich selbst vorbei, überlässt er das Feld letztlich den Stärkeren."

 

Mit der Auferstehung Jesu verknüpft ist bei Benedikt XVI. auch die eschatologische Perspektive auf das Ende der Welt, auf die Wiederkunft Christi. Durch die gesamte Kirchengeschichte hindurch sei der Ruf der Christen "nach dem endgültigen Kommen Jesu" nie verstummt. Zugleich habe die Kirche immer wieder erlebt, dass Christus dieses Kommen "jetzt schon vorwegnimmt und jetzt schon mitten unter uns herein tritt". Dies sei die "innere Spannung der christlichen Wiederkunftserwartung". Die Bitte um ein Kommen Jesu müsse aber weiterhin erfolgen, betont Benedikt XVI., unter anderem in "Augenblicken persönlicher Bedrängnis".

 

Wörtlich schreibt der Papst abschließend dazu: "Wir bitten ihn, dass er in seiner Kirche wirksam gegenwärtig werde. Warum sollten wir ihn nicht bitten, dass er uns auch heute wieder neue Zeugen seiner Gegenwart schenke, in denen er selber kommt? Und diese Bitte, die nicht unmittelbar auf das Weltende zielt, aber doch wahre Bitte um sein Kommen ist, trägt in sich die ganze Weite der Bitte, die er selbst uns gelehrt hat: 'Dein Reich komme!' Komm, Herr Jesus."

 

 

 

 

 

Teilen |

Zusatzinhalt:

unknown
unknown
unknown
unknown

Themenpaket Pfingsten

Meldungen, Wissenswertes und Hintergründe rund um das Pfingstfest


Neuer Bischof in Feldkirch

Bisheriger Diözesanadministrator Benno Elbs zum neuen Bischof in Feldkirch ernannt


Themenpaket "Kirchenprivilegien"

Antworten, Meldungen und Hintergründe rund um das"Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien"

Benno Elbs wird neuer Bischof der Diözese Feldkirch

» mehr

© 1947-2013 by KATHweb: ein elektronischer Informationsdienst der Österreichischen Katholischen
Presseagentur KATHPRESS. Alle Rechte vorbehalten.
© 1947-2013 by KATHweb: ein elektronischer Informationsdienst der Österreichischen Katholischen
Presseagentur KATHPRESS. Alle Rechte vorbehalten.