Druckansicht - Thursday 23. May 2013

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Chrisammesse: Kapellari ruft Priester zur Einheit
de.wikipedia.org/Andreas Püttmann

Grazer Bischof: In Zeiten kirchlicher Verunsicherung in Österreich "gemeinsam mit Weltkirche tiefer denken" - Scheuer für "kirchliche Familienaufstellung - Kärntner Bischof für "offene und stärkende Kirche" - Küng: "Müssen 'treue Zeugen' des Glaubens sein" - Linzer Bischof betont Zeugnis des Glaubens

04.04.2012

Graz (KAP) Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari hat die Priester zu einem unablässigen "Bemühen um Einheit" aufgerufen. Angesichts der derzeit in der österreichischen Kirche herrschenden "gegensätzlichen Bilder von Kirche und Weihepriestertum" bleibe die Bewahrung der Einheit ein "Dauerauftrag an uns alle", mahnte Bischof Kapellari bei der Chrisammesse Mittwochabend im Grazer Dom.

 

Dabei dürfe man sich nicht nur auf "gewiss wichtige, aber zuletzt nur zweidimensionale Argumente und Organisationsmodelle verlassen", sondern müsse vielmehr "gemeinsam mit der Weltkirche tiefer denken und tiefer graben". Orientierungshilfen könnten dabei etwa die Heiligen sein, die durch die gesamte Kirchengeschichte stets diejenigen waren, "die eine neue Wende eingeleitet haben", so der Grazer Bischof.

 

Kapellari erinnerte die anwesenden Priester, die bei der Chrisammesse ihr priesterliches Versprechen erneuern, an die zentralen christlichen Tugenden der Armut, Keuschheit und des Gehorsams. In diesem "Generalhorizont" müsse auch das Zölibatsversprechen des Priesters gesehen werden - denn dieser werde "nur dann nicht zu einem kuriosen Junggesellen", wenn er alle drei Tugenden annehme und lebe. Schließlich sei es Christus selbst gewesen, der "bewirkt hat, dass die Kirche schon früh und nicht erst - wie fälschlich behauptet wird - im 11. Jahrhundert allen Bischöfen und möglichst auch allen Priestern die zölibatäre Lebensform auferlegt hat".

 

Eine zölibatäre Lebensform bedeute jedoch nicht, die Augen vor "Brüchen und Versagen" zu verschließen. Dies gebe es in jeder Lebensform, entscheidend sei, damit "ehrlich und barmherzig, aber nicht beliebig umzugehen". Gerade angesichts der "Wunde und Schande durch sexuellen Missbrauch von der Kirche anvertrauten Menschen" bleibe dieser ehrliche und konsequente Umgang mit Brüchen in der priesterlichen Lebensform eine bleibende Aufgabe, so Bischof Kapellari.

 

Scheuer für "kirchliche Familienaufstellung"

 

Die Karwoche ist immer auch eine Zeit, kirchlich Bilanz zu ziehen - im übertragenen Sinn: Zeit für eine "Familienaufstellung der gegenwärtigen Kirche". Dies hat Bischof Manfred Scheuer bei der Chrisammesse am Mittwoch im Innsbrucker Dom unterstrichen. Bei einer solchen "Familienaufstellung" gehe es "nicht um bloße Vergangenheit, schon gar nicht um das Sezieren einer Leiche", sondern immer auch darum, nach vorne zu blicken - denn in Ostern "bündelt sich der Sinn der ganzen Weltgeschichte".

 

Ob kirchliche oder aktuelle politische Krisensituation - stets sei es die Kirche und Jesus selbst, die mitten in diese Konfliktfelder hineingestellt seien, so Scheuer. "Leben, Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu sind in meine Biografie eingeschrieben, sie sind auch Leben, Leiden, Tod und Auferstehung der Kirche."

 

Am Grund der gegenwärtigen kirchlichen Krise ortet Scheuer vor allem das Problem einer "Liebesarmut": "Dies ist 'das Herz der Krise', nicht mehr daran glauben zu können, dass Gott mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit allen Kräften und mit seinem ganzen Denken und Sinnen, in Fleisch und Blut uns alle liebt."

 

Wenn er selbst sich alljährlich vor Hochfesten darüber ärgere, dass gerade diese kirchlichen Festzeiten durch andere Themen wie Kirchenaustritte, Missbrauchsfälle, Kirchenfinanzierungsdebatten oder Zölibatsdiskussionen "strategisch feindlich übernommen" werden, so müsse er sich dies immer vor Augen halten: "Wir sind in das Drama des Kreuzweges involviert".

 

Schwarz für offene und stärkende Kirche

 

Der Kärntner Bischof Alois Schwarz hat die Priester seiner Diözese aufgerufen, die Gemeinschaft mit Jesus Christus und untereinander noch weiter zu stärken. "Feiern wir die kirchliche Liturgie und die anderen Sakramente so, dass Menschen darin die Nähe Gottes und Stärkung für ihr Leben erfahren", sagte der Bischof am Mittwoch beim Ölweihegottesdienst im Klagenfurter Dom. Im Anschluss an den Gottesdienst plädierte Schwarz für eine "offene Kirche", mit "großer Sympathie und Wertschätzung für das vielfältige Leben der Menschen und mit einer großen Leidenschaft für Gott".

 

Die Chrisammesse sei "eine einmalige und einzigartige Eucharistiefeier im Kirchenjahr, in der der Geist Gottes auf die heiligen Öle herab gerufen wird, damit die Menschen durch die Nähe Gottes Stärkung finden", sagte Schwarz. Die geweihten Öle würden in das ganze Land und so zu den Menschen gebracht werden, "damit diese durch das Salböl das heilende Aufrichten durch die Kraft Gottes erfahren". Aufgabe der Priester sei es, "das Heil unseres Gottes auch heute für Menschen erfahrbar werden zu lassen". Mit der Taufe sei aber auch jeder Christ gesalbt und dazu gesendet, Zeuge des Glaubens zu sein.

 

Bei der anschließenden Zusammenkunft der Kärntner Priester ermunterte Schwarz diese, sich gerade in einer von Tempo, Unruhe und Ungeduld geprägten Zeit bewusst zurückzuziehen und Momente der Muse und des Innehaltens im Alltag zu schaffen. Priester bräuchten über das Stundengebet und die Feier der Eucharistie hinaus Zeiten der Muse, "damit der Geist zur Ruhe kommen und neue Ideen und Einfälle entstehen können".

 

Küng: "Müssen treue Zeugen des Glaubens sein"

Gerade in der heute "weitgehend säkularisierten Gesellschaft" müssen Gläubige "treue Zeugen" nach dem Vorbild Christi sein: "Das heißt, so gut wir können leben, wie es dem Evangelium entspricht, und das auch den anderen empfehlen - unabhängig davon, ob es im Trend der Zeit liegt oder nicht", appellierte Bischof Klaus Küng bei der Chrisammesse am Mittwochnachmittag im St. Pöltner Dom. Katholiken sollten sich ihrer Verkündigungsaufgabe bewusst sein: "Man kann Christus nicht wirklich treu sein, wenn man nicht zugleich der Kirche treu ist."

 

Der Bischof verwies auf das Zweite Vatikanische Konzil, das betone, dass alle Getauften und Gefirmten "eine priesterliche Seele haben" und "ihre Aufgabe als Christen aktiv und umfassend wahrnehmen" sollten. Christen müssten "an ihrem Platz Zeugnis geben für den Glauben", betonte Küng. "Nur so, durch das Leben und Wirken von echten Christen, wird heute Christus in den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft gegenwärtig."

Aus Sorge um die Zukunft herrsche in der Kirche heute angesichts einer nachlassenden Glaubenspraxis und sinkender Nachwuchszahlen bei den Priestern "eine gewisse Unruhe", sagte Küng. Die Situation sei "wirklich bedrängend", oft vorgebrachte Lösungen wie die Aufhebung des Zölibats oder die Weihe verheirateter Diakone jedoch "zu einfach", so der Bischof.

 

Er sei "zuversichtlich, dass sich die richtigen Wege finden werden, wenn jeder bei sich persönlich anfängt und zu einer konsequenten Nachfolge Christi bereit ist, was die Bereitschaft zu allgemeinen Veränderungen einschließt", sagte Küng. Das vom Papst ausgerufene "Jahr des Glaubens" sei in dieser Hinsicht ein guter Anlass zur Beschäftigung mit den Texten des Zweiten Vaticanums, insbesondere mit dem allgemeinen Priestertum aller Gläubigen und dem Dienstamt und der Lebensweise der Priester.

 

Linzer Bischof betont Zeugnis des Glaubens

 

Auch der oberösterreichische Diözesanbischof Ludwig Schwarz erinnerte in seiner Predigt bei der Chrisammesse am Mittwoch im Linzer Mariendom daran, dass das Zeugnis des Glaubens wesentlich für eine Erneuerung und für das Weiterleben der Kirche ist. "Die innige Verbundenheit mit Jesus Christus und das Zeugnis des Glaubens müssen uns allen ein Anliegen sein", betonte Schwarz. Die Nächstenliebe sei ein wesentlicher Teil dieses christlichen Zeugnisses.

 

Zsifkovics: Priester sollen "Welt wachhalten für Gott"

Die zentralen Aufgaben von Priestern stellte der burgenländische Bischof Ägidius Zsifkovics in das Zentrum seiner Predigt bei der Chrisammesse am Mittwoch im Eisenstädter Dom. Im Kern bedeute priesterlicher Dienst "vor Gott zu stehen und Ihm zu dienen", erinnerte der Bischof. Priester müssten "Wachende" und "aufrecht Stehende" sein. Sie sollten "die Welt wachhalten für Gott", aufrecht stehen "gegenüber den Strömungen der Zeit", für "Christus, sein Wort, seine Wahrheit und seine Liebe" einstehen und dabei bereit sein "für den Herrn auch Schläge einzustecken".

Gleichzeitig sei ein Priester aber auch Dienender für Gott und für die Menschen. Dies umfasse nicht nur die Feier der Liturgie und der Sakramente, so Zsifkovics. "Priesterliches Dienen heißt auch, Gott kennenlernen in seinem Wort und ihn all denen bekanntmachen, die er uns anvertraut. Das ist Neuevangelisierung konkret."

Zum Dienen gehörten "Nähe und Vertrautheit", aber auch "Gehorsam". Priester müssten vor diesem Hintergrund darauf achten, dass ihre Ehrfurcht vor dem Heiligen nicht erlösche, appellierte der Eisenstädter Bischof. Zudem sei das von Jesus gegenüber dem Apostel Petrus angesprochene "Sich-Führen-Lassen", eine wesentliche Dimension des priesterlichen Dienstes. "Gerade dies macht uns frei", sagte Zsifkovics. "Wir verkündigen nicht uns selbst, sondern Gott und sein Wort. (...) Unser Gehorsam ist Mitglauben, Mitdenken und Mitsprechen mit der Kirche und Dienen mit der Kirche."

 

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