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Beginn der Osterfeierlichkeiten in Jerusalem

Jerusalem Franziskaner-Kustos Pizzaballa: Lage stabil und mehr Entgegenkommen der israelischen Behörden

05.04.2012

Jerusalem (KAP) In Jerusalem haben die Feiern der österlichen Tage begonnen. Donnerstagfrüh versammelten sich Hunderte Christen in der Grabeskirche. Von Gründonnerstagabend bis Ostersonntag gedenken Christen der Passion und der Auferstehung Jesu. Aufgrund der verschiedenen Kalenderrechnungen feiern die Ostkirchen in diesem Jahr das Osterfest eine Woche nach den Westkirchen. Das jüdische Pessachfest beginnt am Freitag.

 

In der Grabeskirche wusch der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, zwölf Männern die Füße im Gedenken an die dienende Geste Jesu und weihte die heiligen Öle. Gleichzeitig erinnerte die Messe an das letzte Abendmahl Jesu sowie die Einsetzung der Eucharistie und des Priesteramts.

 

In seiner Predigt beklagte der Patriarch die anhaltenden Schwierigkeiten der Christen im Heiligen Land, die sich nach Gerechtigkeit und Frieden sehnten. "Täglich sind wir mit der Abwesenheit von Bewegungsfreiheit und Frieden, mit Frustrationen, Leiden und sogar Märtyrertum konfrontiert", so Twal. Die Christen seien "Gefangene des Hasses, des Misstrauens und der Angst".

 

Üblicherweise wird die Abendmahlmesse erst am Abend gefeiert; in der Jerusalemer Grabeskirche ist sie wegen der komplizierten Nutzungsbedingungen für die sechs Konfessionen auf den Morgen vorverlegt. Im traditionellen Abendmahlsaal auf dem Zionsberg sind keine Feiern möglich, da dieser sich in staatlicher Hand befindet. Nach Fortschritten in den langjährigen Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Israel sieht ein noch nicht endgültig verabschiedeter Lösungsentwurf jedoch vor, dass der Franziskanerorden künftig das umfassende Nutzungsrecht des Abendmahlsaals erhalten soll und dort wieder Gottesdienste gefeiert werden können.

 

Arabischer Frühling: Sorge vor Islamisierung

 

Das israelische Tourismusministerium rechnet für Ostern mit einem deutlichen Anstieg der Pilgerzahlen: 125.000 christliche Besucher, 25 Prozent mehr als sonst, werden diese und kommende Woche in Jerusalem erwartet, wie israelische Zeitungen am Donnerstag berichten. Erst feiern die Kirchen westlicher Tradition ihr Osterfest, mit einer Woche Abstand auch die pilgerfreudigen Orthodoxen. Für den Monat April erwarten die Verantwortlichen weiters mehr als 200.000 ausländische jüdische Besucher im Land. Bescherte 2010 mit 3,5 Millionen ausländischen Gästen schon einen Rekord, so soll die Besucherzahl mittelfristig auf fünf Millionen jährlich steigen.

 

Während Christen in vielen Ländern des Nahen Ostens in den Umbrüchen des "Arabischen Frühlings" stehen und mit Sorge auf Islamisierungstendenzen blicken, bleibt die kleine christliche Gemeinde in der Heimat Jesu davon weitgehend verschont. Die Lage sei stabil, sagte der Franziskaner-Kustos P. Pierbattista Pizzaballa am Donnertag gegenüber der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Zwar dauere der israelisch-palästinensische Konflikt an, und es gebe auch manche Radikalisierungstendenzen, doch gebe es im Verhältnis zu israelischen Behörden und mit Blick auf die Solidarität christlicher Pilger positive Ansätze.

 

Die arabische Gesellschaft rund um das Heilige Land werde von den Christen hingegen zwiespältig wahrgenommen. Viele fühlten sich zunehmend von islamistischen Kräften bedroht. In Ägypten und Syrien habe eine neue Abwanderungswelle begonnen.

 

Experten halten die Lage insgesamt für sehr unsicher. Sie geben den orientalischen Christen wenig Grund zu Optimismus.

 

Spurlos gehe das auch an den Christen im Heiligen Land nicht vorbei, so Pizzaballa. In Israel und Palästina sei die Lage aber zumindest stabil. "Das bedeutet nicht, dass sie gut ist", räumte Pizzaballa ein. In den vergangenen Monaten gab es Fälle von Vandalismus, Schmierereien an Kirchen und Klöstern in Jerusalem. Große Veränderungen gebe es aber "weder zum Guten noch zum Schlechten". Positiv sei, dass in diesem Jahr "praktisch alle unsere Anfragen für Reisegenehmigungen für Christen des Westjordanlandes positiv beantwortet worden" seien.

 

Fortschritte auf höchster Ebene meldet auch der Vatikan in seinen langjährigen Verhandlungen mit Israel um steuerrechtliche Fragen. Auch Vertreter des Lateinischen Patriarchats sprechen vom stärkeren Entgegenkommen der Behörden. Dies könne dem internationalen Druck auf Israel geschuldet sein. Auf der Straße nähmen hingegen Schikanen zu.

 

Sicherheitsbedenken wischen die Kirchenführer im Land Jesu beiseite: "Das Heilige Land und die Pilgerstätten sind so sicher wie nie zuvor", sagte der Jerusalemer Weihbischof William Shomali. Franziskanerkustos Pizzaballa teilt die Ansicht: "Es besteht keine Gefahr", betonte er.

 

Auch Christen im benachbarten Jordanien berichten Positives: Zwei Jahre nach der Grundsteinlegung nahm im Oktober in Madaba die erste katholische Universität des Landes den Lehrbetrieb auf. Im südjordanischen Aqaba entstehen derzeit eine neue Kirche und ein katholisches Behindertenzentrum. An der Taufstelle Jesu am Jordan haben mehrere Konfessionen mit dem Bau von Kirchen begonnen. Am gegenüberliegenden israelischen Ufer wurde das Areal - ehemals Militärsperrgebiet - für Pilger und Touristen geöffnet.

 

 

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