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Vatikanstadt (KAP) Von einem "Übergangspontifikat" spricht heute niemand mehr: Zum 7. Mal jährt sich am 19. April der Tag, an dem der bayerische Kardinal und Theologe Joseph Ratzinger zum Papst gewählt wurde. Drei Tage vor dem Jahrestag feiert Benedikt XVI. auch seinen 85. Geburtstag.
Nach sieben Jahren ist deutlich, dass Benedikt XVI. sein Amt längst mit eigenem Stil und Profil geprägt hat. Er hat neue Akzente gesetzt, für Überraschungen gesorgt, aber er musste auch Pannen durchstehen. Obwohl seine physischen Kräfte nachlassen, absolviert er ein enormes Arbeitspensum, hält Reden und verfasst Schriften. Wie sehr er aber auch Menschenmassen begeistern kann, zeigte jüngst die Kubareise.
Schon früh nach dem Konklave von 2005 ist Benedikt XVI. aus dem Schatten des Vorgängers Johannes Paul II. getreten. Als dessen langjähriger Mitarbeiter setzt er die Linie seines Pontifikats über weite Strecken fort, akzentuiert aber manches anders. Vor allem in die Debatte um das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) hat er neue Elemente eingebracht: Es bilde keinen Bruch, sondern eine Etappe in der 2.000-jährigen Kirchengeschichte.
Benedikt XVI. unternimmt Pastoralreisen in die ganze Welt. Er führt die Weltjugendtage weiter und lud - entgegen früherer Vorbehalte - zu einem interreligiösen Friedensgipfel nach Assisi. Starke Akzente setzt er in Richtung Nahost, verbessert hat er die Beziehungen mit Moskau. Aussichtsreich scheinen auch seine Kontaktaufnahmen mit Vietnam und China. Gefestigt und ausgebaut hat Benedikt XVI. die ökumenischen und interreligiösen Kontakte. Die Beziehungen zum Judentum sind inzwischen so stabil, dass sie auch schweren Belastungen wie dem Skandal um Holocaust-Leugner Richard Williamson standhalten. Auch das Verhältnis zum Islam, das nach der Regensburger Rede einen Einbruch erlebte, ist wieder stabiler.
Benedikt XVI. will nach der turbulenten Nachkonzilszeit wieder mehr Ruhe in die Kirche bringen. Aufbrüche und neue Ideen sollen ins Gesamtgeflecht der Kirche und ihrer Tradition eingeordnet werden. Wenn Gott schon einen Professor zum Papst gemacht habe, wollte er sicher, dass das Moment der Nachdenklichkeit in den Vordergrund komme, sagte er im Interview mit dem Publizisten Peter Seewald. Ein zentrales Programm ist für ihn die "Neuevangelisierung". Mit ihr will er den müde gewordenen Christen in Europa neuen Glaubenselan vermitteln.
Benedikt XVI. ist kein Medienstar und Charismatiker wie Johannes Paul II. Der frühere Professor überzeugt vor allem durch seine Publikationen und die intellektuelle Auseinandersetzung. Er will die Gottesfrage inmitten einer "Diktatur des Relativismus" wieder in den Mittelpunkt rücken. Seine Reden vor Politikern und Akademikern in Paris, London, Berlin oder vor der UNO fanden höchste Anerkennung.
Im Jahre 2009 erlebte das Pontifikat einen Einbruch. Das Bemühen um einen neuen Dialog mit den Traditionalisten der Piusbruderschaft mündete infolge der Williamson-Affäre in einen medialen GAU. Die folgenden Missdeutungen, Entschuldigungen und Neustrukturierungen hinterließen Schrammen. Aber auch dieser Eklat führte zu einer Versachlichung einer - freilich kontroversen - Dialogrunde zwischen Rom und den Traditionalisten.
Noch dramatischer wirkte ein Jahr später der Missbrauchsskandal. Es dauerte Wochen, bis der Vatikan die seit 2001 geltende und durch Kardinal Ratzinger angestoßene Rechtslage und die kirchliche Praxis darlegen konnte. Seit Beginn des Jahres gibt es mit "Vatileaks" ein neues Problem. Die Weiterleitung vertraulicher Vatikandokumente an die Medien ließ interne Spannungen an der Vatikanspitze erahnen.
Die Kritik geht an Benedikt XVI. nicht spurlos vorüber, hat aber keinen Einfluss auf seinen Kurs. Wenn der Vatikan derzeit weniger weltpolitischen Einfluss hat als unter Johannes Paul II., so entspricht das durchaus seiner Vision von einer entweltlichten Kirche, mit der er jüngst in Deutschland eine breite Debatte ausgelöste.
Mit seinem 85. Geburtstag gehört Benedikt XVI. zu den ältesten Päpsten der Kirchengeschichte. Doch auch wenn er mittlerweile einen Gehstock und für längere Wege ein fahrbares Podest nutzt, gilt ein Rücktritt als unwahrscheinlich. Vieles spricht stattdessen dafür, dass sein Pontifikat auch künftig prägende Kraft entfaltet.
