Inhalt:
Rom-Wien-München (KAP) Die Weltkirche, die österreichische Kirche und im besonderen Maße die Ortskirche in Bayern begehen kommende Woche mit zahlreichen anlassbezogenen Gottesdiensten und Veranstaltungen den 85. Geburtstag von Papst Benedikt XVI. (16. April) und den siebten Jahrestag seiner Wahl (19. April). Ein Pontifikalamt zum Wahltag von Benedikt XVI. feiert etwa Kardinal Christoph Kardinal Schönborn am kommenden Donnerstag um 19 Uhr im Wiener Stephansdom. Die Predigt hält Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen.
Vatikan-Beobachter weisen auf die datumsmäßige Symbolik hin: So fällt der Papstgeburtstag auf den Tag nach dem "Barmherzigkeitssonntag", den Johannes Paul II. für die katholische Kirche eingeführt hatte. Es ist zugleich ein Sonntag, der auch für das Pontifikat von Benedikt XVI. bedeutsam wurde: Er sprach am "Barmherzigkeitssonntag" 2011 seinen Vorgänger selig.
Die Seligsprechung Johannes Pauls II. war die größte von Benedikt XVI. geleitete liturgische Feier. Er wird voraussichtlich in seiner Ansprache zum "Regina Coeli" am 15. April auf dem Petersplatz auf dieses Ereignis Bezug nehmen.
Der Papst erholt sich derzeit noch in Castel Gandolfo von den anstrengenden liturgischen Feiern der Kar- und Ostertage. Er will aber bereits am Freitag nach Rom zurückkehren.
Während Benedikt XVI. also einen Tag vor seinem Geburtstag zu Mittag auf dem Petersplatz zum "Sonntag der Barmherzigkeit" sprechen will, sendet der ORF im Religionsprogramm "Orientierung" (ORF 2, 12.30 Uhr) eine Dokumentation von Christian Rathner über Benedikt XVI. Darin geht es u.a. auch über die viel beachtete Gründonnerstagpredigt des Papstes zur Pfarrerinitiative.
Rathner verweist auf vollkommen ungewohnte Nuancen in der weltweit beachteten Predigt: "Es ist interessant, dass der Papst von der 'Trägheit der Institution' spricht und sich die - rhetorische Frage stellt, ob mit seinen Erwägungen 'der Immobilismus, die Erstarrung der Traditionen' verteidigt werde. Spürt der Intellektuelle auf dem Papstthron also etwas von dem, was vielen Menschen die Identifikation mit der Kirche derzeit schwer macht?", fragt der Theologe, Journalist und Doku-Autor in einem Beitrag für die Wochenzeitung "Die Furche" (Ausgabe 12. April).
Benedikt XVI. wurde als Joseph Alois Ratzinger am 16. April 1927 im bayerischen Marktl am Inn geboren. Für den 16. April hat sich deshalb Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer mit einer Delegation von rund 150 Leuten im Vatikan angesagt, und auch alle Diözesanbischöfe aus Bayern sowie mehrere süddeutsche Bischöfe - darunter Erzbischof Robert Zollitsch - werden nach Rom reisen. In vielen Orten Bayerns, die mit dem Papst biografisch verbunden sind, stehen weitere Aktionen an - vom Freibier unterm Regensburger Dom über Ausstellungen bis zu einem theologischen Symposion.
Festwoche in Marktl am Inn
Schon zur Tradition geworden ist seit Ratzingers Wahl zum Papst in seinem Geburtsort Marktl die jährliche "Festwoche". Dieses Mal wird zum sonntäglichen Gottesdienst am 15. April Kardinal Reinhard Marx erwartet, dazu Gäste aus Sotto il Monte und Wadowice. Mit dem italienischen und dem polnischen Ort, aus denen Johannes XXIII. und Johannes Paul II. stammen, pflegt Marktl mittlerweile eine Partnerschaft.
Mit mehr als 100 Leuten rechnet Pfarrer Josef Kaiser, wenn zur Geburtsstunde um 4.15 Uhr das Morgenlob im Geburtshaus erklingt. Danach geht es mit einem Lichterzug über den Marktplatz hinüber zu Ratzingers Taufstein in St. Oswald. Dort war der Bub nur wenige Stunden, nachdem er zur Welt gekommen war, auf den Namen "Joseph Alois" getauft worden.
Abends spricht der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler über "Die Freiheit im christlichen Verständnis". Im Bürgersaal gibt es eine Ausstellung mit Fotos von Thomas und Konstanze Klinger unter dem Motto "Mein Herz schlägt bayrisch".
Sonderbriefmarken zur Ehre des Jubilars erscheinen in Marktl und Traunstein. Viele bunte Luftballons sollen gute Wünsche möglichst über die Alpen tragen. In Marktl sind es an die 500 Kinder, die sich an der Aktion der Gemeinde beteiligen.
In Regensburg hält die Initiative "Deutschland pro Papa" 85 Ballons bereit. Startplatz ist der sogenannte Papsthügel beim Islinger Feld, wo Benedikt XVI. bei seinem Bayernbesuch 2006 die Messe zelebrierte, bevor er zur nahe gelegenen Universität fuhr, um dort seine berühmte "Regensburger Rede" zu halten.
Einen Tag zuvor feiert der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller im Dom eine Pontifikalvesper. Danach gibt es für jeden Mitbeter "Oan Schluck Bier und a Brezn" von der ortsansässigen Brauerei Bischofshof.
Mit dem Geburtstag sind die Feierlichkeiten noch lange nicht vorbei. Am 22. April geben die weltberühmten Regensburger Domspatzen, einst unter der Obhut von Papstbruder Prälat Georg Ratzinger, ein Festkonzert zu Ehren von Benedikt XVI. in Marktl.
Das 2007 als Museum eröffnete Geburtshaus hat sich für die aktuelle Saison gerüstet. Zu sehen ist eine Neuauflage der Schau "Wo ich eigentlich zu Hause bin". Besucher können sich dabei auch ein Bild davon machen, wie bei Ratzingers daheim Geburtstag gefeiert wurde. Über 15.000 Besucher waren es im vergangenen Jahr.
Unter den ausländischen Gästen sind vor allem Italiener, Polen, Spanier und englischsprachige Gruppen. Geplant ist jetzt, den Film im Rahmen der Multivisionsshow am Anfang der Rundtour zu überarbeiten. Vor allem aber wollen die Verantwortlichen neue Angebote für junge Leute machen, die auf der Suche nach Orientierung sind.
Einen "Bayerischen Abend" mit Schuhplatteln, Gstanzln und Jodeln bekommt Benedikt XVI. von seiner Heimatdiözese, der Erzdiözese München, als nachgereichtes Geburtsgeschenk im August. Die Begegnung mit Musik- und Tanzdarbietungen findet am 3. August in Castel Gandolfo statt. Zum "Heimatabend" werden mehr als 800 Pilger mit einem Sonderzug anreisen, darunter 450 Gebirgsschützen und 150 Mitglieder von Trachtengruppen, teilte die Erzdiözese München-Freising mit. Kardinal Reinhard Marx wird mit den Pilgern am 4. August in Rom Eucharistie feiern.
