Druckansicht - Friday 24. May 2013

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Benedikt XVI.: Fühle mich weiter als Deutscher

Bei "fliegender Pressekonferenz" reagiert Papst mit Gelassenheit auf die angekündigten Kundgebungen gegen ihn

22.09.2011

Berlin, 22.09.2011 (KAP) Papst Benedikt XVI. fühlt sich auch nach mehr als 30 Jahren im Vatikan als Deutscher. So lese er auch weiterhin mehr Bücher auf Deutsch als in anderen Sprachen, bekannte der 84-Jährige am Donnerstag kurz vor seiner Ankunft in Berlin.

 

Seine Geburt, aber auch die Sprache und Kultur seiner Heimat hätten ihn geprägt, betonte der Papst. Zugleich sei er als Christ eingebettet in die Gemeinschaft der weltweiten Kirche, für die er in seinem Amt die oberste Verantwortung habe, fügte Benedikt XVI. hinzu.

 

Auf dem Flug nach Deutschland reagierte Benedikt XVI. mit Gelassenheit auf die angekündigten Kundgebungen gegen ihn. "Proteste sind normal in einem säkularisierten demokratischen Land", sagte Benedikt XVI. in einem kurzen Gespräch mit den mitreisenden Journalisten. Viele hätten aber auch "große Erwartungen und große Sympathie für den Papst". Und in vielen Bereichen der deutschen Bevölkerung gebe es auch eine wachsende Sehnsucht nach einer Stimme der Moral in der Gesellschaft.

 

Auch zum Thema Missbrauch äußerte sich der Papst: "Ich kann verstehen, dass angesichts von Verbrechen wie dem sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Priester Personen, die den Opfern nahestehen, sagen: Dies ist nicht meine Kirche; die Kirche ist eine Kraft der Humanität und Moral, und wenn ihre eigenen Leute das Gegenteil tun, kann ich nicht mehr in dieser Kirche sein". Die Kirche müsse lernen, dies auszuhalten und jeden Missbrauch entschieden bekämpfen.

 

Er freue sich sehr auf den Besuch, betonte der Papst, der insgesamt vier Journalistenfragen beantwortete - drei davon auf Deutsch, eine auf Italienisch. Ganz besonders freue er sich auf die Begegnung mit den evangelischen Christen, ergänzte Benedikt XVI. Von Beginn der Reiseplanungen an habe er die Ökumene als bedeutenden Akzent seiner Reise verstanden.

 

Er sei den evangelischen Christen dankbar, dass es an der historischen Stätte des ehemaligen Augustiner-Klosters in Erfurt, wo Martin Luther seine theologische und geistliche Ausbildung erhalten habe, zu einer Begegnung komme. Gerade in der säkularisierten Gesellschaft heute sei das gemeinsame Zeugnis der Christen dringend notwendig, auch wenn es zwischen evangelischen und katholischen Christen weiterhin beachtliche Differenzen gebe, so der Papst.

 

 

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