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"Osservatore" unzufrieden mit italienischen Storys zu Papstreise

Journalisten liefen lieber Nebensächlichkeiten oder "gar nicht vorhandenen Nachrichten" hinterher, statt sich kritisch mit Fakten zu befassen

27.09.2011

Vatikanstadt (KAP) Nach dem Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. hat die vatikanische Tageszeitung "Osservatore Romano" die Berichterstattung der italienischen Medien kritisiert. Besonders in Italien hätten sich manche Medien, auch renommierte, als "nicht auf der Höhe der Reise" erwiesen, schreibt Chefredakteur Giovanni Maria Vian in der ersten Ausgabe nach der Reise am Dienstag. Sie hätten es vorgezogen, Nebensächlichkeiten oder "gar nicht vorhandenen Nachrichten" hinterherzulaufen, statt sich mit den Fakten zu befassen, was durchaus auch kritisch erfolgen hätte können.

 

Nach der Bundestagsrede und dem Interview auf dem Hinflug hatten die Zeitungen getitelt: "Die grüne Wende des Papstes erobert Berlin" (La Stampa) und "Kirche und Missbrauch, ich verstehe diejenigen, die austreten" (Corriere della Sera). Am Sonntag lautete die Schlagzeile im "Libero", dass Benedikt XVI. zu seinem 85. Geburtstag im April zurücktreten wolle, was mehrere Zeitungen am Montag aufgriffen. Mehrere Sonntagszeitungen widmeten die größte Aufmerksamkeit dem Zwischenfall in Erfurt, bei dem ein Mann weitab vom Papstgeschehen mit einem Luftgewehr auf eine Sicherheits-Angestellte geschossen hatte.

 

Vian wertete die viertägige Deutschland-Visite des Papstes als "eine der intensivsten und wichtigsten Reisen des Pontifikats", bei der Benedikt XVI. sich verständlich gemacht und viele Herzen - nicht nur von Katholiken - berührt habe. Mit dem "nicht vorhersehbaren" Lob für Reformator Martin Luther habe der Papst in Erfurt eine "ehrliche Analyse" des gegenwärtigen Protestantismus und die Frage eines allgemeinen christlichen Zeugnisses in einer Welt, die sich immer weiter von Gott entferne, angesprochen.

 

Ermutigung für Jugend

 

Vatikansprecher Federico Lombardi sage am gleichen Tag "Radio Vatikan" gegenüber, der Papst habe eine "ermutigende Botschaft" für Jugendliche verkündet. Er habe deutlich gemacht, dass Heiligkeit nicht notwendigerweise moralische Perfektion voraussetze. Es gehe vielmehr darum, der christlichen Berufung ungeachtet aller menschlichen Schwächen mit Mut und Freude zu folgen.

 

Benedikt XVI. hatte sich am Samstagabend während einer Vigil mit rund 35.000 Jugendlichen auf dem Freiburger Messegelände gegen die Behauptung gewandt, ein Heiliger sei nur, wer moralische Höchstleistungen vollbringe.

 

 

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