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Wien (KAP) Nachdem sich die Kommentatoren bei der Beurteilung des Papstbesuchs in Deutschland bislang vor allem auf die Felder Ökumene, Bundestagsrede, Missbrauch und Reformstau gestürzt haben, lenkt der Salzburger Theologe Prof. Georg Maria Hoff nun den Blick auf die Ansprache des Papstes im Freiburger Konzerthaus. Bei dieser Ansprache am 25. September, dem letzten Tag seiner Reise, hatte Benedikt XVI. sich u.a. gegen Forderungen nach einer bloß oberflächlichen innerkirchlichen Reform und einer Anpassung an die Welt ausgesprochen. Die damit verbundene Forderung nach einer "Entweltlichung" wäre eine "Reformation, die es wahrlich in sich hätte - mit kaum absehbaren Folgen für das Zeugnis der Kirche in der Welt von heute", kommentiert Hoff in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Furche".
Es sei gerade dieses Wort von einer "Entweltlichung der Kirche" gewesen, so Hoff, dass von den Zuhörern mit Irritation aufgenommen worden sei, da es politischen wie theologischen Sprengstoff biete. Ein Blick in die Kirchenlehre Joseph Ratzingers zeige laut Hoff, worauf der Papst ziele: Auf eine Anschärfung der Differenz "zwischen sakralem und säkularem Raum", auf eine stärkere Differenzierung zwischen "geistlicher und politischer Sphäre". Hoff: "Auch für Ratzinger lebt Kirche in der Welt, aber ihr Zeugnis sieht er von einem Zuviel an Weltlichkeit bedroht." Das Problem sei dabei nicht die Eigenständigkeit der Welt, nicht die Tatsache, dass Welt auch ohne Kirche funktioniere - vielmehr wolle der Papst eine "Kolonialisierung kirchlicher Lebenswelten" verhindern.
Das Zweite Vatikanische Konzil habe dieses Verhältnis von Kirche und Welt anders beschrieben - als dialogisches Wechselspiel von Welt und Kirche. In diesem Sinne sei die Freiburger Rede des Papstes daher auch als ein Hinweis zu lesen, welcher Art die Konzils-Lesart Benedikts XVI. sei, so Hoff, geht es dem Papst doch um "mehr: eine echte Reformation". Die Kirche müsse sich schließlich nicht den Strukturen der Gegenwart anpassen, sondern sich vielmehr "entweltlichen", um dem Evangelium treu zu bleiben, entschlüsselt Hoff die päpstliche Botschaft von Freiburg.
Dabei blieb der Papst in seiner Rede laut Hoff "eigentümlich weltlos", insofern er auf jede sozialpolitische oder auch ökonomisch konkrete Kritik verzichtete. "Weltlos bleibt so das Sprechen von einer 'angemessenen' Entweltlichung". Dabei belaste dieser Verzicht "den Gedankengang entscheidend", so Hoff - etwa wo er indirekt auf den Missbrauchsskandal verweist und von einem Fehlverhalten der "Boten" spricht, der "umso mehr" folgen müsse, "die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen". Hoff: "Soll es am Ende die Welt sein, die falsche Weltzugewandtheit, die zum Missbrauch verführt?"
