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Benedikts Kuba-Mission: Kommt jetzt das Tauwetter?

Viele Konfliktfelder zwischen "Pontifex Maximus" und "Maximo Lider" - Korrespondentenbericht von Thomas Jansen

10.03.2012

Vatikanstadt, 09.03.12 (KAP) Es ist das erste Mal, dass Benedikt XVI. kommunistischen Boden betritt. Seine Reise nach Kuba führt den Papst ab 26. März in ein Land, das dem amerikanischen Handelsembargo und dem Zusammenbruch des sozialistischen Ostblocks zum Trotz seit mehr als fünf Jahrzehnten unbeirrt am Marxismus festhält. Und mehr noch: Neuerdings ist die Karibikinsel sogar wieder zum Vorbild für eine neue Generation sozialistischer Politiker in der Region geworden, allen voran Präsident Hugo Chavez in Venezuela. Auch im Verhältnis zwischen Staat und Kirche nahm Kuba stets eine Sonderrolle unter den sozialistischen Staaten ein.

Ohne die katholische Kirche hätte die Revolution auf Kuba vielleicht überhaupt nicht stattgefunden. Jedenfalls war es der Erzbischof von Santiago de Cuba, Enrique Perez Serantes, der sich dafür einsetzte, dass der junge Rechtsanwalt Fidel Castro nach dem gescheiterten Überfall auf die Moncada-Kaserne in seiner Bischofsstadt im Jahr 1953 - dem Vorspiel der Revolution - schon nach zwei Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen wurde.

Die Katholiken auf Kuba brachten den Revolutionären Castros zumindest bis zum Sturz des verhassten Diktators Fulgencio Batista y Zaldivar (er starb 1973 im spanischen Exil) im Jänner 1959 in Teilen durchaus Sympathien entgegen. Auch viele Priester traten für ein Ende der von Gewaltexzessen, Unterdrückung und extremer sozialer Ungerechtigkeit gezeichneten Militärherrschaft ein.

Der Einfluss der katholischen Kirche war auf Kuba jedoch auch schon vor der Revolution bedeutend geringer als in anderen lateinamerikanischen Ländern. Der katholische Bevölkerungsanteil war für die Region vergleichsweise gering, die religiöse Praxis nicht sehr ausgeprägt.

Im Jahr 1953 waren nach einer Umfrage 72 Prozent aller Kubaner getauft. Von ihnen bezeichneten sich lediglich 24 Prozent als praktizierende Katholiken. In den Jahren danach ging der Anteil der Bekenntnislosen und Atheisten auf Kuba weiter in die Höhe.

Aus anfänglicher Sympathie oder Zurückhaltung wurde eine offene Konfrontation. "Rom oder Moskau": So lautete der programmatische Titel eines Hirtenbriefes der kubanischen Bischöfe vom November 1960. Das Schreiben brachte die Frontstellung zwischen katholischer Kirche und dem Regime Castros zum Ausdruck, die schon bald nach der Vertreibung des Diktators Batista entstand. Die Bischöfe untersagten ihren Gläubigen eine Zusammenarbeit mit den neuen Machthabern.

Zunächst hatte es vorübergehend noch so ausgesehen, als könne es ein Einvernehmen zwischen Kirche und Revolution geben. Castro selbst besuchte im November 1959 einen Nationalen Katholikentag mit mehr als eine Million Teilnehmern auf dem "Platz der Revolution" in Havanna. Und auch die ersten Entscheidungen seiner Regierung wie die Enteignung von Großgrundbesitzern hatte die katholische Kirche nicht rundweg abgelehnt.

Zum Bruch zwischen dem von seinen Anhängern als "Maximo Lider" verehrten Castro und der Kirche kam es erst, als der Einfluss der kommunistischen Partei innerhalb der revolutionären Kräfte größer wurde. Hinzu kam, dass Castro angesichts der amerikanischen Feindseligkeit in Moskau politischen Rückhalt suchte.

Endgültiger Bruch und Exkommunikation 1961/62

Endgültig besiegelt wurde das Zerwürfnis durch die gescheiterte, vom amerikanischen Geheimdienst CIA unterstützte Landung Exil-kubanischer Söldner in der Schweinebucht im April 1961. Castro betrachtete die Beteiligung von drei spanischen Priestern und bekannter Katholiken an dem Unternehmen als Kampfansage der katholischen Kirche.

Die Schonzeit der Kirche war zu Ende: Im Mai 1961 ordnete der Jesuiten-Zögling Castro die Verstaatlichung aller katholischen Schulen und Krankenhäuser an. Zudem kam es zu Verhaftungen von Priestern, Hausdurchsuchungen und Störungen von Gottesdiensten. Die Folge war ein Exodus von mehr als 2.000 katholischen Ordensleuten und 200 Priestern. Mit der Ausweisung des Weihbischofs von Havanna, Eduardo Boza Masvidal, sowie 131 weiteren Priestern erreichte der Konflikt im September 1961 seinen Höhepunkt.

Papst Johannes XXIII. (1958-1963) exkommunizierte Fidel Castro aufgrund seines antikirchlichen Verhaltens am 3. Jänner 1962. Die diplomatischen Beziehungen des Heiligen Stuhls zu Kuba wurden jedoch nie ganz abgebrochen. Von 1962 bis 1974 vertrat den Vatikan aber nur ein Geschäftsträger in Havanna, kein Botschafter.

Auf weltpolitischem Parkett betätigte sich der Papst im Herbst 1962 als Vermittler in der sogenannten Kuba-Krise, als die Welt nach der Stationierung sowjetischer Raketenbasen auf der Karibikinsel am Rande eines Dritten Weltkriegs stand. Johannes XXIII. ließ der sowjetischen und amerikanischen Botschaft am 24. Oktober einen Friedensappell überreichen. Chruschtschow bezeichnete das Schreiben später als "einzigen Hoffnungsschimmer".

Mit seiner grundsätzlichen Absage an jede Art von Handelsembargos erwarb sich Johannes Paul II. auch schon vor seiner Reise nach Kuba große Sympathien auf der Karibikinsel. Nach dem in den 1980er Jahren einsetzenden Tauwetter im Verhältnis zwischen Staat und Kirche führte sein Besuch im Jänner 1998 zu einer merklichen Entspannung der Lage. Der Papst las einerseits Castro die Leviten und forderte die Gewährung vollständiger Religionsfreiheit. Andererseits rief er die Bischöfe zur Dialogbereitschaft gegenüber dem Regime auf. Symbolischen Ausdruck fand die Entspannung zum Beispiel in der Wiedereinführung des 25. Dezembers als gesetzlichen Feiertag im gleichen Jahr.

Kuba ist seit 1992 laut Verfassung nicht mehr ein atheistischer, sondern ein laizistischer Staat, der sich zur Achtung der Religionsfreiheit verpflichtet. Die Wirklichkeit sieht jedoch bis heute anders aus. Die Klage der kubanischen Bischöfe aus dem Jahr 2003 bleibt auch weiterhin aktuell: Von einer wirklichen Religionsfreiheit in Kuba könne erst gesprochen werden, wenn die Kirche über die Feier von Gottesdiensten hinaus Möglichkeiten zur Mitwirkung erhalte, schrieben die Bischöfe damals in einem Hirtenbrief.

Unter Fidels Bruder Raul Castro, der im Jahr 2006 die Regierungsgeschäfte zunächst kommissarisch und zwei Jahre später endgültig übernahm, hat sich daran bislang nichts Grundlegendes geändert. Jedoch stimmen Symbolakte hoffnungsvoll: Am letzten Tag der Amtszeit Fidel Castros, am 23. Februar 2008, weihte Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone auf der Karibikinsel ein Denkmal für Papst Johannes Paul II. ein. Zwei Tage später wurde er von Raul Castro empfangen - als erster Staatsgast.

Kubas Bischöfe schließen ein Treffen zwischen Benedikt XVI. und Fidel Castro nicht aus. Eine solche Begegnung stehe zwar nicht auf dem offiziellen Programm; dass sie trotzdem stattfinden könne, liege aber "im Rahmen der Möglichkeiten", sagte der Sekretär der Kubanischen Bischofskonferenz, Pedro Felix Perez, laut der kolumbianischen Zeitung "El Universal". Kubanische Medien hatten in den vergangenen Tagen spekuliert, dass sich Castro mit der Kirche aussöhnen wolle.

 

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