Druckansicht - Wednesday 22. May 2013

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Bertone: Papstbesuch fördert Demokratisierung Kubas

Kardinal-Staatssekretär verweist gegenüber "La Stampa" auf Probleme bei Zulassung kirchlicher Schulen - In dem Interview ging es auch um China - Bertone zuversichtlich über Entwicklung der katholischen Kirche im Reich der Mitte

22.03.2012

Rom-München, 22.03.2012 (KAP) Die Kuba-Reise von Papst Benedikt XVI. wird nach Einschätzung von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone eine Demokratisierung des Landes fördern. "Ich glaube nicht, dass der Besuch von der Regierung instrumentalisiert wird", sagte Bertone in einem Interview, das am Donnerstag in der italienischen Tageszeitung "La Stampa" veröffentlicht wurde. Vielmehr unternehme Havanna nach seiner Einschätzung alle Anstrengungen, um dem Papst "die Wertschätzung und das Vertrauen zu bezeugen, das das Oberhaupt der katholischen Kirche verdient".

 

Der Besuch Benedikts XVI. auf der Karibikinsel - er schließt an die Etappe in Mexiko (23.-25.3.) an - werde "ohne Zweifel dem Entwicklungsprozess hin zu einer Demokratie helfen" und neue Freiräume für die Kirche eröffnen, sagte Bertone weiter. Als "Problem" in den Beziehungen zwischen Kirche und kubanischem Staat bezeichnete er weiterhin bestehende Einschränkungen für katholische Schulen und andere kirchliche Einrichtungen.

 

Der Kardinalstaatssekretär verwies auf die Kuba-Reise von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1998. Auch damals habe sich die Lage der Kirche anschließend verbessert und sei der Dialog zwischen Staat und Kirche vertieft worden.

 

In dem Interview ging es auch um China, wobei sich Bertone zuversichtlich über die Entwicklung der örtlichen katholischen Kirche zeigte. Der Dialog zwischen dem Vatikan und den staatlichen Stellen sei nicht abgebrochen, auch wenn er bisweilen anstrengend sei. Viele kirchliche oder katholische Einrichtungen unterhielten zu chinesischen Institutionen Beziehungen von "großem kulturellem Wert".

 

Angesichts der schon erzielten Forschritte sei eine "positive Begegnung" zwischen der katholischen Kirche und dem chinesischen Volk zu erwarten. Auch eine persönliche Reise Benedikts XVI. nach Asien wäre "anstrengend, aber nicht von vornherein ausgeschlossen".

 

Kubanische Regierung will profitieren

 

Nach Ansicht des kubanischen Schriftstellers Leonardo Padura versprechen sich sowohl Regierung wie Opposition in Kuba einen Gewinn vom bevorstehenden Besuch des Papstes. Der kommunistischen Führung stärke die Visite von Benedikt XVI. den Rücken, so der für seine Krimis bekannte Autor in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" (SZ; Donnerstag). Aber auch die kubanische Opposition hoffe auf mehr Aufmerksamkeit durch den Aufenthalt des Papstes.

 

Die kubanische Kirche wird nach Paduras Worten von dem Ereignis ebenfalls profitieren. Sie habe bereits in den vergangenen Jahren "an gesellschaftlicher Bedeutung beträchtlich hinzugewonnen". So sei sie zu einer wichtigen Kraft bei politischen Gerichtsprozessen geworden, etwa bei der Vermittlung für die Freilassung politischer Häftlinge.

 

Die Mehrheit der kubanischen Gesellschaft habe jedoch keinerlei besondere Erwartungen an den Papstbesuch, so Padura. Die meisten Kubaner konzentrierten sich auf den täglichen Kampf für bessere Lebensbedingungen. Sie vertrauten mehr auf ihre eigene Kraft als auf den Staat, Fürsprecher von außen oder göttliche Hilfe, so der Autor.

 

Kubanischer Erzbischof will mehr Reformen

 

Die bisherigen Reformen der kubanischen Regierung sind nach Aussage des Erzbischofs von Santiago de Cuba, Dionisio Garcia Ibanez, nicht ausreichend. Sie seien erste Schritte, reichten jedoch hinsichtlich der wirtschaftlichen und sozialen Erfordernisse nicht aus, sagte der Erzbischof der italienischen Tageszeitung "Avvenire". Er forderte Veränderungen, wie mehr kreativen Freiraum und Gestaltungsmöglichkeiten für den einzelnen im wirtschaftlichen und sozialen Leben.

 

Garcia vereidigte sein Eintreten für die Menschenrechtsgruppe der "Frauen in Weiß" und die Vermittlungen der Kirche zur Freilassung politischer Flüchtlinge. Die Tatsache, dass es Kritik geben könnte, etwa weil der Kirche ein "Nachgeben" vor der Regierung vorgeworfen wird, dürfe nicht zu einem Alibi für Untätigkeit werden. Er sehe die katholische Kirche nicht als Vermittlerin zwischen Regierung und Opposition, sondern als Teil der Nation, der bereit ist, zum Wohl des Landes beizutragen, sagte der Erzbischof.

 

Bei seinem bevorstehenden Besuch werde Papst Benedikt XVI. die Bevölkerung Kubas in ihrem christlichen Glauben bestärken, so Erzbischof Garcia. Der Papst käme mit der Botschaft "Habt keine Angst".

 

 

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