Druckansicht - Friday 24. May 2013

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Papst warnt in Mexiko vor oberflächlichem Christentum

Benedikt XVI. feierte in Leon seinen ersten großen Gottesdienst in Lateinamerika - Solidaritätsbekundung an alle Völker Lateinamerikas in ihrer schwierigen Situation

25.03.2012

Ciudad de Mexico (KAP) Papst Benedikt XVI. hat von Mexiko aus die Kirchen Lateinamerikas zu einer Erneuerung und Neubelebung des katholischen Glaubens aufgerufen. Bei der ersten Messe seiner Lateinamerikareise warnte er am Sonntag im Bicentenario-Park von Leon die Katholiken vor einem oberflächlichen, bruchstückhaften und nur gewohnheitsmäßigen Christentum. Gleichzeitig bekundete der Papst den Mexikanern und anderen Völkern Lateinamerikas seine Solidarität in ihrer schwierigen Situation, in der "Schmerz und Hoffnung beieinander liegen".

 

In einer solchen Lage reichten freilich menschliche Strategien allein nicht aus, unterstrich der Papst vor mehr als einer halben Million Gottesdienstbesuchern. Man müsse seine Hoffnung nicht so sehr auf die eigenen Kräfte als auf Gott setzen. Denn nur er könne helfen, Frieden, Eintracht, Gerechtigkeit und Solidarität unter den Menschen zu fördern. Allerdings bestehe das Reich Gottes nicht in weltlicher Macht, mit der es andere mit Gewalt unterwerfe, unterstrich der Papst. Es gründe vielmehr in "einer größeren Macht, die die Herzen erobert: die Liebe Gottes, die er der Welt durch sein Opfer gebracht hat, und die Wahrheit, von der er Zeugnis gegeben hat".

 

Vor der Messe hatte Benedikt XVI. im Hubschrauber die nahe von Leon auf dem Cerro Cubilete in 2.700 Meter Höhe gelegene Christkönigs-Statue umkreist. Die 22 Meter hohe Figur war 1923 errichtet, jedoch drei Jahre später auf Anordnung des mexikanischen Präsidenten zerstört worden. Erst 1940 wurde sie wiedererrichtet - auch mit finanzieller Unterstützung der Regierung. - Nach dem Hubschrauberflug bestieg Benedikt XVI. das Papamobil und fuhr fast eine halbe Stunde lang durch das Menschenspalier. Dabei trug, zur Freude der Anwesenden, einen schwarzen Sombrero.

 

In seiner Predigt appellierte Benedikt an die Gläubigen, die "Müdigkeit des Glaubens zu überwinden". Die Katholiken Mexikos und ganz Lateinamerikas sollten die Freude am Christentum und an der Zugehörigkeit zur Kirche wiederentdecken, sagte der Papst. Mexiko ist nach Brasilien das zweitgrößte katholische Land der Welt. Jedoch ist die Kirche auch hier einem Vordringen fundamentalistischer und evangelikaler Gruppen und Sekten ausgesetzt.

 

Unter dem Applaus der Teilnehmer erinnerte Benedikt XVI. daran, dass bereits Johannes Paul II. bei seinen Mexikoreisen Leon und das Christkönigs-Monument besuchen wollte, dies aber nicht konnte. "Sicher wird er sich heute vom Himmel aus freuen, dass mir der Herr die Gnade gewährt hat, jetzt mit euch zusammen zu sein". Benedikt XVI. erinnerte daran, dass viele Millionen Mexikaner die Reliquien des vor einem Jahr seliggesprochenen Papstes verehrt hätten, die in verschiedene Regionen des Landes ausgestellt worden waren.

 

Sorge über Armut, Korruption, Drogenhandel

 

Beim Angelusgebet im Anschluss an den Gottesdienst äußerte sich Benedikt XVI. besorgt über die aktuelle Situation des Landes, über die verbreitete Armut, Korruption, häusliche Gewalt, Drogenhandel und Kriminalität. Zahlreiche Familien lebten getrennt oder seien zur Auswanderung gezwungen, beklagte er im Bicentenario-Park von Leon. Benedikt XVI. appellierte an alle Mexikaner, auf sinnlose Rache zu verzichten und trennenden Hass abzubauen. Zugleich forderte er Achtung, Verteidigung und Förderung des menschliches Lebens sowie Festigung der Brüderlichkeit.

 

Ausdrücklich ermahnte Benedikt XVI. die Mexikaner zu einer rechtgläubigen Marienfrömmigkeit. Er verwies auf die tiefe Verehrung der Gottesmutter von Guadalupe, die als Patronin Mexikos und Lateinamerikas gilt und deren Heiligtum am Rand von Mexiko-Stadt jährlich von Millionen Gläubigen aufgesucht wird. Die wahre Verehrung der Gottesmutter Maria bringe die Gläubigen immer näher zu Jesus, unterstrich der Papst. Dabei gehe es nicht um vorübergehende Gefühle oder irgendwelche Leichtgläubigkeit. "Maria lieben heißt sich verpflichten, auf ihren Sohn zu hören", sagte er. Die Gottesmutter von Guadalupe verehren bedeute damit, nach den Worten ihres Sohnes Jesu zu leben.

 

Nach dem Gottesdienst und dem Mittagsgebet zog sich Benedikt XVI. in sein Domizil, ins kirchliche Gästehaus Colegio Miraflores, zurück. Am Nachmittag wollte er um 18 Uhr (2 Uhr MESZ am Folgetag) die Kathedrale von Leon besuchen und mit 120 Bischöfen Mexikos und Vertretern aller lateinamerikanischen Episkopate einen Vespergottesdienst feiern. Am Montag fliegt er weiter nach Kuba, der zweiten Station seiner 23. Auslandsreise.

 

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