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Havanna (KAP) Mit Kritik am US-Embargo und einem Appell zum Aufbau einer besseren Gesellschaft auf Kuba hat Papst Benedikt XVI. am Donnerstag 1 Uhr (Abflugszeit; 18 Uhr Ortszeit) seine Lateinamerika-Reise beendet. Niemand dürfe daran durch Einschränkung seiner Grundfreiheiten und durch Mangel an materiellen Ressourcen gehindert werden, sagte der Papst vor seinem Abflug auf dem Flughafen von Havanna. Wegen starken Regens fand die Abschlusszeremonie im Inneren des Flughafengebäudes statt.
Diese Situation verschärfe sich noch, "wenn von außen auferlegte restriktive Wirtschaftsmaßnahmen schwer auf der Bevölkerung" lasteten, so Benedikt XVI. Die gegenwärtige Stunde erfordere dringend, dass im nationalen und internationalen Zusammenleben "unbewegliche Positionen und einseitige Sichtweisen aufgegeben" würden; sie erschwerten die Verständigung und machten Bemühungen zur Zusammenarbeit wirkungslos.
Benedikt XVI. sagte, er hoffe, dass sich die Kubaner auf ihre "edelsten Werte" besinnen, denn darauf könne eine "erneuerte und versöhnte Gesellschaft mit weiten Horizonten" gegründet werden. Er bete, dass das Land voranschreite und "das Haus aller Kubaner" werde, in dem die Freiheit geachtet und gefördert werde.
Die Freiheit, so der Papst, sei unerlässlich, um eine Gesellschaft aufzubauen, in der jeder die Zukunft seines Lebens, seiner Familie und seiner Heimat gestalten könne. Wie in seinen anderen Reden auf sozialistischem Boden bezog Benedikt XVI. auch die Religionsfreiheit mit ein: Das Christentum schränke in keiner Weise ein, sondern sei der "erste und wichtigste Faktor" für die wahre Entwicklung jedes Menschen und jedes Volkes.
Vor Vertretern des staatlichen und kirchlichen Lebens, darunter Präsident Raul Castro und die Bischöfe des Landes, bedankte sich der Papst für die "herzliche Gastfreundschaft" während des dreitägigen Besuches. Tief im Herzen nehme er alle Kubaner mit. Benedikt XVI. verabschiedete sich mit einem "Hasta siempre" (Lebewohl) von der Bevölkerung. Im Regen bestieg Benedikt XVI. die Boeing 777 der Alitalia, mit der er vor sechs Tagen nach Mexiko aufgebrochen war.
Ausdrücklich dankte der Papst vor dem Abflug dem Erzbischof von Boston, Kardinal Sean O'Malley - er begleitete Benedikt XVI. -, für das neue Priesterseminar, das vor kurzem 15 Kilometer außerhalb von Havanna mit Spenden vor allem aus den USA errichtet wurde. O'Malley, der dem Kapuzinerorden angehört und als einer der engsten Vertrauten Benedikts XVI. gilt, hatte wegen der Missbrauchs-Entschädigungszahlungen seiner Diözesen zahlreiche kirchliche Immobilien verkauft, darunter die Bischofsresidenz, und seinen Wohnsitz in eine kleine Suite im Priestersemninar verlegt. Dennoch entschlossen er sich, mit diözesanen Mitteln der Kirche in Kuba zu helfen und ein Seminar zu errichten. An der feierlichen Eröffnung im November 2011 hatten O'Malley und Erzbischof Thomas Wenski von Miami teilgenommen.
