Inhalt:
Wien (KAP) "Ich glaube an den Heiligen Geist": Was heißt das eigentlich? Dieser Frage geht David Steindl-Rast in seinem Buch "Credo. Ein Glaube, der alle verbindet" nach. Der aus Wien stammende und 1953 in den USA in den Benediktinerorden eingetretene Mönch und Mystiker versucht die 77 Worte des apostolischen Glaubensbekenntnisses für heute verständlich zu machen und ihren tieferen Sinn neu zu erschließen.
Der Heilige Geist ist "der göttliche Lebensatem in uns", erklärt Steindl-Rast. "Geist" bilde im biblischen Sprachgebrauch den Gegensatz zum Begriff "Fleisch", der für alles stehe, "was unvermeidlich dem Tod verfallen ist". An den Heiligen Geist zu glauben heißt für Steidl-Rast, "auf unsere innerste Verbundenheit mit dem lebendigen Gott zu vertrauen und entsprechend zu leben. Nach den Worten des 86-jährigen Benediktiners gehe es in dem Glaubenssatz des Credo nicht um ein Fürwahrhalten, dass es eine "göttliche Person" namens "Heiliger Geist" gibt, sondern um Anteilnahme an der göttlichen Lebendigkeit.
"So dem Leben zu vertrauen heißt: fest damit rechnen, dass jeder Tag uns genau das bringen wird, was wir brauchen - wenn es auch nicht immer das ist, was wir und wünschen", schreibt Steindl-Rast. Menschen, die so leben, vergleicht der Mystiker und vielfache Buchautor mit Schwimmenden in einem reißenden Strom: "Sie liefern sich der Strömung nicht willenlos aus, aber sie widerstehen ihr auch nicht ... nützen den Lauf des Wassers zielstrebig und geschickt so aus, dass sie sich an dem Abenteuer richtig freuen können." Energie an den inneren Widerstand oder aber an Wunschträume zu verschwenden ist so einem "Leben im Fluss" unangemessen und führt in Sackgassen, warnt Steindl-Rast.
Heiliger Geist verlangt nach Gemeinschaft
Im Heiligen Geist zu leben bedeute freilich auch in Gemeinschaft zu leben, betont Steindl-Rast. Da "der Geist weht, wo er will" (Joh 3,8) und weil gilt "Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit" (2 Kor 3,17), kann Gemeinschaft keine konfessionelle oder auch religiöse Exklusivität bedeuten, wie Steindl-Rast ausführt. "Als wahrhaft katholisch darf nur jener Glaube gelten, der 'allzeit und überall allen' Menschen gemeinsam war, ist und sein wird", zitiert der Ordensmann den Kirchenvater Vinzenz von Lérins aus dem 5. Jahrhundert. Gläubige Nicht-Christen dürften nicht ausgeschlossen werden, "in engeres Verständnis von Katholizität lässt sich heute nicht mehr vertreten".
Nicht nur interreligiöse Weite ist Steindl-Rast ein Anliegen, sondern auch Fairness gegenüber der "Institution Kirche": Viele deren Mitglieder würden auch zur weiter angelegten "Kirche als Gemeinschaft im Heiligen Geist" gehören. Trotz ihrer Fehler und Verbrechen habe die Institution Kirche zu allen Zeiten durch heiligmäßige Menschen, die zu ihr gehörten, "tatkräftige Liebe in der Welt repräsentiert" und tut dies immer neu.
