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Weltfamilientreffen: Mailand ist die Hochburg der Singles

Voraussetzungen zur Familiengründung in Italien so schlecht wie in kaum einem anderen Land der westlichen Welt

24.05.2012

Mailand (KAP) Mailand als Schauplatz des Weltfamilientreffens 2012 ist nicht nur eine Mode- und Messestadt und das Wirtschaftszentrum Italiens. Es ist auch eine Hochburg der Singles. Das unterstreichen zumindest die Organisatoren des katholischen Weltfamilientreffens, das vom 30. Mai bis 3. Juni in Mailand stattfindet.

 

Knapp 370.000 der rund 1,3 Millionen Einwohner sind demnach Alleinstehende. Aber die Veranstaltungen des Weltfamilientreffens sollen sich ohnehin an alle - an Ehepaare mit jungen Kindern genauso wie an Großeltern und Singles - richten. "Wer immer Mailand als Stadt beschrieben hat, die sich Großereignissen gegenüber kalt und gleichgültig zeigt, hat sich sehr geirrt. Das Familientreffen hat schon jetzt die Herzen der Mailänder erreicht", sagte Mailands Weihbischof Ermino De Scalzi bei einer Pressekonferenz zur Präsentation des Programms.

 

Der für die Vorbereitung des Treffens verantwortliche Kirchenmann verweist auf 11.000 Haushalte, die insgesamt 33.000 Schlafplätze für Pilger bereitgestellt hätten und auf 5.000 freiwillige Helfer aller Altersklassen. Zusätzlich hätten Kirchengemeinden der Erzdiözese für ärmere Familien aus Nigeria, Haiti, Israel oder dem Tschad mehr als 12.000 Übernachtungsmöglichkeiten bereitet.

 

Das kirchliche Großereignis hat auch prominente Werbeträger: Beim Lokalderby von AC und Inter Mailand liefen die Mannschaften in T-Shirts mit dem Logo des katholischen Treffens in das Giuseppe-Meazza-Stadion ein. Inter-Kapitän Javier Zanetti wird beim Familientreffen selbst an einer Gesprächsrunde über Freiberuflichkeit und Familienleben teilnehmen. Am 2. Juni wird das Stadion im "San Siro"-Viertel wieder mit den Familientreffen-Logos geschmückt sein - der Papst soll dann 80.000 Kinder und Jugendliche treffen, die sich auf die Firmung vorbereiten.

 

Schlechte Voraussetzungen zur Familiengründung

 

Nach Brasilien, den Philippinen, Spanien und Mexiko findet das Weltfamilientreffen auch diesmal in einem Land statt, dessen Bewohner der Familie traditionell einen sehr hohen Stellenwert einräumen. Andererseits sind die Voraussetzungen zur Familiengründung in Italien so schlecht wie in kaum einem anderen Land der westlichen Welt: Im März waren 36 Prozent der Italiener zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos.

 

Bei Geburt eines Kindes geben erwerbstätige Frauen einer Turiner Studie zufolge oft auf Druck ihres Arbeitgebers ihre Stelle auf. Krippenplätze sind rar, kommerzielle Betreuung teuer. Oft sind Eltern nicht mobil, da sie in der Nähe der ihre Kleinkinder betreuenden Großeltern leben müssen.

 

Die Kirche des Landes fordert immer wieder familienfreundlichere Bedingungen: "Wenn die Familie mit wirksamer Politik unterstützt wird, wird das Land wachsen", lautete der jüngste Appell des Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco.

 

Auch der Papst kritisierte in seinem Schreiben zu dem Treffen, dass die Arbeitswelt der heutigen Gesellschaft zu sehr an Wettbewerb und Profit orientiert sei und dazu beitrage, "die Familie und die Gemeinschaft aufzulösen". Er forderte von Kirche und Politik größere Anstrengungen, um "die Anforderungen der Arbeit und ihre Zeiten mit denen der Familie zu vereinbaren und den wahren Sinn des Festes wiederzuerlangen, besonders des Sonntags, ... Tag der Familie, der Gemeinschaft und der Solidarität".

 

In seiner Predigt Anfang Mai in Arezzo bekräftigte Benedikt XVI., dass die wirtschaftlich-soziale Depression mit einer "tiefen geistigen Krise" verbunden sei. Viele seien von einer "Kultur der Schnelllebigkeit" getäuscht worden, so der Papst. An ihre Stelle müssten Solidarität und Barmherzigkeit treten.

 

Schnelle Lösungen für einen Ausweg aus der Wirtschaftskrise seien angesichts der komplizierten Probleme jedoch nicht möglich. Zur Überwindung der geistigen Krise müsse die Kirche die Menschen anleiten, eine "rein materialistische Logik" zu überwinden. Das nicht zuletzt durch seine humanistische Tradition starke Italien solle jedenfalls nicht verzagen und eine ethische Erneuerung angehen. Dies werde die Wende im sozialen und gesellschaftlichen Leben herbeiführen.

 

Der Papst rief in Arezzo auch zum entschiedenen Eintreten für den Schutz der Familie und des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod auf. Der gesetzliche Schutz der Familie müsse auch die schwächsten Glieder umfassen. Dies sei von entscheidender Bedeutung für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft und ihre Perspektiven.

 

 

 

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