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Mailand (KAP) Papst Benedikt XVI. hat zu einem wirksameren staatlichen Schutz der Familie aufgerufen. "Der Staat ist aufgerufen, die besondere Identität der Familie, die auf der Ehe gründet und für die Weitergabe von Leben offen ist, anzuerkennen", sagte der Papst am Samstag vor Politikern in Mailand. Zudem müsse er das Recht der Eltern auf eine "freie Erziehung" der Kinder gemäß ihrer Überzeugungen garantieren. Ein Staat der dies nicht gewährleiste, werde den Familien nicht gerecht. Ebenso müsse er sich für den Schutz des Lebens einsetzen und dessen "willkürliche Unterdrückung" verhindern. Benedikt äußerte sich vor Vertretern des öffentlichen Lebens, Unternehmern und Militärs im erzbischöflichen Palais der Stadt. Er hält sich seit Freitag zum Weltfamilientreffen in Mailand auf.
In seiner grundsätzlichen Ansprache, die inhaltlich an die Rede vor dem Deutschen Bundestag anknüpfte, forderte der Papst, eine Verankerung der staatlichen Gesetze im Naturrecht. Die Überwindung des konfessionellen Staates dürfte nicht zu einer rein positivistischen Gesetzgebung führen, die sich ausschließlich nach Mehrheitsverhältnissen richtet. Eine solche könne keine ethischen Maßstäbe hervorbringen, so das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche.
Benedikt XVI. hob hervor, dass die Freiheit des Einzelnen zentrales Element jedes politischen Gemeinwesens sein müsse, in dem Staat und Kirche getrennt seien. Die Freiheit sei kein Privileg für einige wenige, sondern ein "wertvolles Recht" aller. Es gelte, zu gewährleisten, dass jeder seine Vorstellungen vom gemeinsamen Leben im gegenseitigen Respekt für den Anderen und im Rahmen der jeweiligen Gesetze vortragen könne. Freiheit bedeute jedoch nicht eine Willkür des Einzelnen, sondern dass jeder Verantwortung trage. Dies im Sinne des Gemeinwohls zu gewährleisten, sei Aufgabe der Politik. Politiker, die sich ganz in den Dienst des Gemeinwohls stellten "adelten" die Politik zutiefst und erhöhten sie zu einer Form der Nächstenliebe, sagte der Papst.
Der Papst war am Freitag zu einem dreitägigen Besuch in Mailand eingetroffen. Anlass der Reise ist der VII. Weltfamilientag, der am Mittwoch in der norditalienischen Stadt eröffnet wurde. Vor seiner Rede war Benedikt XVI. am Samstag mit 60.000 Jugendlichen im Mailänder Fußballstadion zusammengetroffen. Höhepunkt seiner Reise ist die Abschlussmesse des Weltfamilientages, zu der am Sonntag bis zu einer Million Menschen erwartet werden.
